Mittwoch - 28. Februar 2018
Bilanz-Pressekonferenz

Aus den Ausführungen von Werner Baumann

Vorsitzender des Vorstands der Bayer AG

(Es gilt das gesprochene Wort)


Sehr geehrte Damen und Herren,

ich begrüße Sie sehr herzlich hier im Baykomm zur Vorstellung unseres Jahresabschlusses für das vergangene Jahr.


(2018-1500-1)

Wir blicken auf ein weiteres ereignisreiches Jahr zurück, im dem wir vor allem strategisch gut vorangekommen sind. Auf dem Weg zur geplanten Übernahme von Monsanto haben wir große Fortschritte gemacht. Ich werde nachher noch ausführlich auf den aktuellen Stand der Übernahme eingehen.

Auch unserem Ziel, uns mittelfristig vollständig von Covestro zu trennen, sind wir ein großes Stück nähergekommen. Wir haben im Jahr 2017 in vier Tranchen rund 36 Prozent unserer Anteile verkauft. Dabei haben wir insgesamt 4,7 Milliarden Euro erlöst. Im Januar haben wir noch einmal gut 10 Prozent an Covestro-Aktien veräußert. Aktuell liegt der direkt von uns gehaltene Anteil nun bei 14,2 Prozent. Weitere 8,9 Prozent werden vom Bayer Pension Trust gehalten.

Wichtig für unser Zahlenwerk, das wir Ihnen heute präsentieren: Ende September haben wir die faktische Kontrolle über Covestro abgegeben und das Unternehmen entkonsolidiert. Die verbleibenden Covestro-Anteile werden in der Bilanz nun nach der sogenannten Equity-Methode bewertet. Die Zahlen für das gesamte Jahr wurden entsprechend angepasst. Dies gilt auch für das Vorjahr.

Operativ war 2017 ein Jahr mit Licht und Schatten. Pharmaceuticals überzeugte erneut mit einem Rekordjahr. Crop Science und Consumer Health blieben dagegen aus unterschiedlichen Gründen hinter den Erwartungen zurück. Unter dem Strich erreichten wir operativ das Niveau des Vorjahrs.


(2018-1500-2)

Lassen Sie mich nun zu den Geschäftszahlen im Einzelnen kommen. Der Umsatz des Bayer-Konzerns lag im Jahr 2017 bei 35 Milliarden Euro. Das entspricht einem Zuwachs von 1,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Bitte beachten Sie, dass ich beim Umsatz immer von währungs- und portfoliobereinigten Veränderungen spreche.

Das um Sondereinflüsse bereinigte EBITDA des Konzerns lag mit 9,3 Milliarden Euro auf dem Niveau des Vorjahrs. Das EBIT stieg dagegen um 2,9 Prozent auf 5,9 Milliarden Euro. Darin sind Sonderaufwendungen in Höhe von 1,2 Milliarden Euro enthalten.

Das bereinigte Ergebnis je Aktie konnten wir um 7 Cent auf 6,74 Euro steigern. Dabei wirkt sich die Pflichtwandelanleihe aus, die wir im November 2016 ausgegeben haben. Dadurch ist die Zahl der Aktien, die in die Berechnung eingeht, deutlich gestiegen. Ohne diesen Effekt hätte sich das bereinigte Ergebnis je Aktie um 39 Cent erhöht.

Unsere operativen Ziele haben wir damit beim Umsatz erreicht – gemessen an unserer angepassten Konzern-Prognose für das Gesamtjahr. Das um Sondereinflüsse bereinigte EBITDA lag dagegen knapp unter den Erwartungen. Beim bereinigten Ergebnis je Aktie haben wir unsere Erwartungen übertroffen.


(2018-1500-3)

Lassen Sie mich nun zur Geschäftsentwicklung der einzelnen Divisionen kommen. Zunächst Pharmaceuticals. Unser Geschäft mit verschreibungspflichtigen Arzneimitteln erzielte im Jahr 2017 einen Umsatz von 16,8 Milliarden Euro – so viel wie nie zuvor. Dies entsprach einem Zuwachs von 4,3 Prozent.

Erneut haben unsere Hauptwachstumsprodukte maßgeblich zum Erfolg der Division beigetragen. Der Umsatz mit dem Gerinnungshemmer Xarelto™, dem Augenmedikament Eylea™, den Krebsmedikamenten Xofigo™ und Stivarga™ sowie Adempas™ gegen Lungenhochdruck lag insgesamt bei 6,2 Milliarden Euro. Damit erzielten diese Produkte ein währungsbereinigtes Umsatzplus von mehr als 16 Prozent. Den stärksten Zuwachs verzeichneten wir bei Xofigo™ mit 26 Prozent.

Auch unsere beiden umsatzstärksten Produkte, Xarelto™ und Eylea™, konnten deutlich zulegen. Der Umsatz mit Xarelto™ stieg um währungsbereinigt 14 Prozent auf 3,3 Milliarden Euro. Dies lag vor allem an höheren Absatzmengen in Europa, Japan und China. Auch in den USA legte der Umsatz weiter zu. Dort wird Xarelto™ von einer Tochtergesellschaft von Johnson & Johnson vermarktet.

Eylea™ erzielte ein Umsatzplus von 19 Prozent auf 1,9 Milliarden Euro. Dies war im Wesentlichen auf höhere Absatzmengen in Europa, Kanada und Japan zurückzuführen.

Erfreulich entwickelte sich auch das Geschäft mit den Hormonspiralen der Mirena™-Produktfamilie. Hier legte der Umsatz währungsbereinigt um gut 9 Prozent zu. Bei unserem Blutgerinnungsmittel Kogenate™ ging der Umsatz dagegen deutlich zurück. Dies lag hauptsächlich am geringeren Bestellvolumen des Wirkstoffs durch einen Vertriebspartner.

Das Ergebnis von Pharmaceuticals konnte erfreulich gesteigert werden. Das EBITDA vor Sondereinflüssen erhöhte sich um knapp 9 Prozent auf 5,7 Milliarden Euro. Rechnet man die negativen Währungseffekte heraus, lag das Plus sogar bei rund 11 Prozent. Die Steigerung ist vor allem auf ein höheres Absatzvolumen zurückzuführen.


(2018-1500-4)

Kommen wir nun zu unserer Division Consumer Health. Unser Geschäft mit rezeptfreien Arzneimitteln ging im Vergleich zum Vorjahr leicht zurück. Der Umsatz verringerte sich um 1,7 Prozent auf 5,9 Milliarden Euro. Ursache war die weiterhin schwache Geschäftsentwicklung in den USA. Zudem wurden in China zwei unserer bislang verschreibungsfreien Marken zu rezeptpflichtigen Produkten umklassifiziert.

Ein Blick auf die einzelnen Produkte zeigt sehr unterschiedliche Entwicklungen. Das Geschäft mit unserem umsatzstärksten Produkt bei Consumer Health, dem Antihistaminikum Claritin™, war im Vergleich zum Vorjahr leicht rückläufig. Der Umsatz ging währungsbereinigt um 2,4 Prozent auf 585 Millionen Euro zurück. Dies war hauptsächlich auf den stärkeren Wettbewerb in den USA und Japan zurückzuführen. Positiv entwickelte sich der Umsatz von Claritin™ in China.

Das Geschäft mit unseren Wundheilungs- und Hautpflegemitteln Bepanthen™ / Bepanthol™ konnte dagegen ausgebaut werden. Der Umsatz stieg währungsbereinigt um 6,6 Prozent. Bei Aspirin™ verzeichneten wir einen leichten Zuwachs um währungsbereinigt 1,8 Prozent auf 462 Millionen Euro. Zusammen mit dem bei Pharmaceuticals ausgewiesenen Geschäft mit Aspirin™ Cardio lag der Umsatz über einer Milliarde Euro.

Damit erzielten unsere Aspirin™-Produkte insgesamt ein währungsbereinigtes Plus von 6,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Das um Sondereinflüsse bereinigte EBITDA von Consumer Health lag im vergangenen Jahr bei 1,2 Milliarden Euro. Dies entspricht einem deutlichen Rückgang um rund 13 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Ausschlaggebend dafür waren geringere Absatzmengen. Außerdem belasteten höhere Herstellungskosten sowie höhere Aufwendungen für Marketing und Vertrieb das Ergebnis. Hinzu kamen negative Währungseffekte.


(2018-1500-5)

Auch das Geschäft unserer Division Crop Science war im vergangenen Jahr leicht rückläufig. Der Umsatz betrug 9,6 Milliarden Euro – ein Minus von 2,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der entscheidende Grund dafür war die Entwicklung in Brasilien. Dort belasteten unerwartet hohe Lagerbestände im Markt den Absatz von Pflanzenschutzmitteln.

Wir haben eine Reihe von Maßnahmen ergriffen, um zur Normalisierung dieser Situation beizutragen. So haben wir Pflanzenschutzprodukte von unseren Vertriebspartnern zurückgenommen und Neuverträge mit veränderten Konditionen geschlossen. Wir sehen mittlerweile, dass diese Maßnahmen greifen.

Ein Blick auf die regionale Umsatzentwicklung zeigt: Außerhalb Brasiliens entwickelte sich das Geschäft von Crop Science positiv. Ohne Brasilien legte der weltweite Umsatz um drei Prozent gegenüber dem Vorjahr zu.

In der Region Lateinamerika ging der Umsatz zwar währungsbereinigt um 18 Prozent zurück. Ohne Brasilien erzielten wir aber auch hier Umsatzzuwächse.

Erfreulich entwickelte sich das Geschäft in der Region Nordamerika. Dort konnte der Umsatz um knapp 6 Prozent gesteigert werden. In der Region Europa / Nahost / Afrika verzeichneten wir einen Zuwachs um 1,5 Prozent. In Asien / Pazifik stiegen die Umsatzerlöse um zwei Prozent.

Betrachten wir nun kurz die einzelnen Geschäftsfelder von Crop Science. Der Umsatz mit Pflanzenschutzmitteln ging um gut 5 Prozent zurück. Dagegen verzeichneten wir bei Saatgut ein Plus von 9 Prozent. Positiv entwickelte sich auch Environmental Science, unser Geschäft mit Anwendungen im nichtlandwirtschaftlichen Bereich.

Das bereinigte EBITDA von Crop Science lag im Geschäftsjahr 2017 bei 2 Milliarden Euro – ein Rückgang um rund 16 Prozent. Dies ist wiederum vor allem auf die Situation in Brasilien zurückzuführen. Zudem schlugen negative Währungseffekte mit 63 Millionen Euro zu Buche.


(2018-1500-6)

Kommen wir nun zu unserer Geschäftseinheit Animal Health. Hier konnten wir den Umsatz im vergangenen Jahr währungs- und portfoliobereinigt um 2 Prozent auf 1,6 Milliarden Euro steigern. Das bereinigte EBIDTA profitierte von einem Produkterwerb und erhöhte sich um gut 9 Prozent.

Besonders positiv entwickelte sich das Geschäft in der Region Asien / Pazifik. Auch in Nordamerika verzeichneten wir Umsatzzuwächse.

Das starke Wachstum von Seresto™ setzte sich im vergangenen Jahr fort. Das Floh- und Zeckenhalsband erzielte ein Umsatzplus von währungsbereinigt 25 Prozent. Bei unseren umsatzstärksten Produkten, der Advantage™-Produktfamilie mit Floh-, Zecken- und Entwurmungsmitteln, ging der Umsatz dagegen zurück. Grund dafür war hauptsächlich der höhere Wettbewerbsdruck in einigen Regionen.


(2018-1500-7)

Meine Damen und Herren,

so viel zu unserem Geschäftsverlauf. Lassen Sie mich nun erläutern, wo wir bei der geplanten Übernahme von Monsanto stehen.

Wir haben in den vergangenen Monaten weitere behördliche Freigaben erhalten. Erst kürzlich hat die brasilianische Kartellbehörde grünes Licht gegeben. Dies ist ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zum Abschluss der Transaktion. Schließlich ist Brasilien einer der wichtigsten Agrarmärkte der Welt. Insgesamt hat jetzt mehr als die Hälfte der rund 30 Behörden weltweit die Transaktion genehmigt.

Ein wichtiger Schritt im vergangenen Jahr war die vertragliche Vereinbarung, bestimmte Crop-Science-Geschäfte an die BASF zu verkaufen. Zusätzlich haben wir uns im Rahmen der kartellrechtlichen Freigabeverfahren nun auch verpflichtet, unser gesamtes Geschäft mit Gemüsesaatgut zu veräußern. Hinzu kommen können der Verkauf oder die Auslizenzierung bestimmter weiterer Geschäftsaktivitäten von Bayer oder Monsanto.

Damit gehen wir aktiv auf die Hinweise der Kartellbehörden ein. Zu beachten ist dabei: Jegliche Verkäufe oder Auslizenzierungen sind an die Bedingung geknüpft, dass die Übernahme von Monsanto erfolgreich abgeschlossen wird. Diese wiederum unterliegt weiterhin den üblichen Vollzugsbedingungen, einschließlich der notwendigen behördlichen Freigaben.

In Europa hat die EU-Kommission wiederholt die Prüffrist verlängert oder die Uhr angehalten, um mehr Informationen zu erhalten. Solche Schritte sind bei einer Transaktion dieser Größenordnung nicht ungewöhnlich. Aktuell läuft die Prüffrist der EU-Kommission bis zum 5. April. Wir sind zuversichtlich, die Bedenken der Behörde mit den zugesagten Maßnahmen vollständig ausräumen zu können.

In den USA haben wir Ende vergangenen Jahres grünes Licht von CFIUS erhalten. Das ist der Ausschuss zur Überprüfung ausländischer Investitionen in den USA. Die Freigabe bedeutet, dass hinsichtlich des geplanten Zusammenschlusses keine ungelösten nationalen Sicherheitsbedenken bestehen.

Die kartellrechtliche Prüfung der Übernahme erfolgt in den USA durch das Justizministerium, das Department of Justice. Im vergangenen Jahr haben wir den sogenannten Second Request des Department of Justice vollständig beantwortet. Seitdem sichtet die Behörde das sehr umfangreiche Material und nimmt weitere Untersuchungen vor. Zugleich setzen wir unsere konstruktiven Gespräche mit dem Ministerium fort.

Wo stehen wir bei der Finanzierung der Transaktion? Die Pflichtwandelanleihe über 4 Milliarden Euro, die wir im November 2016 ausgegeben hatten, habe ich schon kurz erwähnt. Für die weitere Ausfinanzierung wollen wir zusätzliches Eigenkapital aufnehmen. Außerdem sind Anleiheplatzierungen in verschiedenen Währungen geplant.

In welchem Maße sich durch die Einnahmen aus der Veräußerung unserer Covestro-Anteile und aus der Umtauschanleihe auf Covestro-Aktien sowie aus dem angekündigten Verkauf an die BASF die geplante Finanzierungsstruktur – also das Verhältnis von Eigenkapital zu Fremdkapital – verändert, werden wir noch im Detail prüfen. Dabei werden wir vor allem unser Ziel im Blick behalten, nach Abschluss der Transaktion ein solides Investment-Grade-Rating zu erhalten.

Sie sehen also, dass wir Fortschritte machen. Die Finanzierung ist auf gutem Wege, und wir arbeiten weiter mit den Behörden weltweit zusammen, um den erfolgreichen Abschluss der Prüfungen voranzubringen. Dabei zeichnet sich ab, dass die behördlichen Prüfverfahren trotz unserer intensiven Bemühungen mehr Zeit brauchen. Unser Ziel ist es jetzt, die Transaktion im zweiten Quartal 2018 abschließen zu können.

Unsere Erwartung eines erfolgreichen Abschlusses der Prüfungen bleibt davon unberührt, ebenso wie unsere Überzeugung, dass dieser Schritt richtig ist.

Denn die Agrarbranche steht vor großen Herausforderungen. Wetterextreme und der Klimawandel bedrohen Ernten, das verfügbare Ackerland pro Kopf nimmt ab. Gleichzeitig nimmt die Weltbevölkerung jedes Jahr um etwa 80 Millionen Menschen zu – so viele wie in Deutschland leben. Um die Weltbevölkerung unter diesen Bedingungen auch in Zukunft zu ernähren, können wir nicht einfach so weitermachen wie bisher. Dafür brauchen wir Innovation.

Und darum geht es bei diesem Zusammenschluss. Gemeinsam mit Monsanto können wir noch innovativer werden. Die geplante Übernahme bringt deshalb allen Vorteile: Unseren Aktionärinnen und Aktionären, denn wir schaffen ein führendes Unternehmen der Agrarwirtschaft mit hervorragenden Wachstumsperspektiven. Den Landwirten auf der ganzen Welt, denn wir werden ein Produktangebot schaffen, das noch besser auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten ist. Aber auch für die Gesellschaft insgesamt, denn wir können gemeinsam mit Monsanto noch besser dazu beitragen, die Ernährung der Weltbevölkerung zu sichern.


(2018-1500-8)

Meine Damen und Herren,

mit der Übernahme von Monsanto verfolgen wir eine langfristige Perspektive, und das gilt für unser gesamtes Geschäftsmodell. Wir machen aus wissenschaftlichen Erkenntnissen innovative Produkte. Dafür braucht man einen langen Atem. Die Entwicklung eines neuen Medikaments dauert heute meist länger als zehn Jahre. Im Bereich des chemischen Pflanzenschutzes sieht es ähnlich aus.

Ich möchte nun kurz darauf eingehen, wie wir mit unseren Forschungs- und Innovationsaktivitäten an unserer langfristigen Perspektive arbeiten.

Unsere Forschungs- und Entwicklungsausgaben haben wir auch im vergangenen Jahr weiter auf 4,5 Milliarden Euro gesteigert. Und das in einem Jahr, das in mancher Hinsicht kein einfaches war. Indem wir unsere Forschungsbemühungen weiter ausbauen, arbeiten wir an den Problemlösungen der Zukunft. Wir arbeiten an innovativen Produkten, die den Menschen helfen – Ärzten und Patienten, Landwirten und Verbrauchern.

Dabei machen wir Fortschritte. Unsere Pharma-Pipeline ist gut gefüllt: Wir haben derzeit rund 50 Projekte in der klinischen Entwicklung. Und natürlich entwickeln wir auch die Produkte weiter, die schon auf dem Markt sind. Zum Beispiel könnte in diesem Jahr in Europa und in den USA die Zulassung für Xarelto in einer weiteren Indikation erfolgen, und zwar für die Behandlung der koronaren Herzkrankheit und der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit, der so genannten Schaufensterkrankheit.

Auch bei Crop Science enthält unsere Produktpipeline eine Vielzahl an neuen Pflanzenschutzprodukten, Saatgutsorten und Weiterentwicklungen. Insgesamt schätzen wir das Spitzenumsatzpotenzial der Produkte, die zwischen 2015 und 2020 auf den Markt kommen sollen, auf über 5 Milliarden Euro.

Zusätzlich stärken wir unsere Innovationsfähigkeit durch zahlreiche externe Kooperationen und Partnerschaften. Ein Beispiel dafür ist die Zusammenarbeit mit Loxo Oncology, einem hochinnovativen biopharmazeutischen Unternehmen aus den USA. Mit dieser Kooperation, die wir im November vergangenen Jahres geschlossen haben, wollen wir unser Onkologie-Geschäft weiter ausbauen.

Es geht dabei um die Entwicklung und Vermarktung von zwei innovativen Wirkstoffen. Sie werden derzeit in weltweiten Studien für die Behandlung von Krebspatienten untersucht, bei denen sich ein bestimmtes Gen verändert hat. Die Veränderung dieses sogenannten NTRK-Gens ist zwar insgesamt selten. Sie kommt aber bei vielen verschiedenen Krebserkrankungen vor – sowohl bei Erwachsenen als auch bei Kindern. Wir erwarten, dass die Einreichung der Zulassungsunterlagen in den USA für einen der beiden Wirkstoffe – Larotrectinib – bereits in den nächsten Wochen abgeschlossen sein wird.

Die Zusammenarbeit mit Loxo Oncology ist auch ein Beleg dafür, dass der Erwerb von Monsanto nicht auf Kosten unserer anderen Geschäfte geht. Das haben wir immer gesagt: Wir werden das Wachstum in den Bereichen Pharmaceuticals, Consumer Health und Animal Health weiter vorantreiben. Mit solchen Projekten zeigen wir, dass wir Wort halten.

Aber natürlich entwickeln wir auch bei der Division Crop Science unser Forschungsnetzwerk weiter. Lassen Sie mich auch hier ein Beispiel aus dem vergangenen Jahr ansprechen.

Im September haben Bayer und Bosch eine dreijährige Forschungskooperation geschlossen. Ziel ist die gemeinsame Entwicklung der „Smart Spraying“-Technologie, die den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln effizienter macht. Mithilfe von Kamerasensoren kann exakt bestimmt werden, was auf dem Acker wächst. Auf dieser Grundlage werden dann Pflanzenschutzmittel gezielt auf Unkräuter gesprüht. Unkrautfreie Bereiche bleiben dagegen unberührt. Das alles geschieht in einem einzigen Arbeitsgang.

Dieses intelligente System spart Kosten und stärkt die Ertragskraft der Landwirte. Vor allem aber schont es die Umwelt, weil Pflanzenschutzmittel künftig noch gezielter da eingesetzt werden, wo sie wirklich nötig sind.

Bayer stellt eigene Daten aber nicht nur Unternehmen wie Bosch zur Verfügung, sondern auch gemeinnützigen Organisationen. Zum Beispiel erhält Quantified Planet von uns Daten aus über 70 Ländern. Sie geben Aufschluss über Standorte, Vorkommen und Verbreitung bestimmter Pflanzenarten. Quantified Planet wird diese Daten zum Zwecke der wissenschaftlichen Forschung im Bereich Biodiversität weltweit zugänglich machen. Dies soll dazu beitragen, den Klimawandel und dessen Auswirkungen auf eine nachhaltige Landwirtschaft besser zu verstehen.

So viel zu diesem kurzen Überblick über unsere Innovationsaktivitäten. Herr Dietsch wird nun über die Geschäftsentwicklung im vierten Quartal 2017 berichten und Ihnen weitere Details zum Gesamtjahr erläutern.


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REDE DIETSCH
(siehe separates Dokument)

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(2018-1500-9)

Meine Damen und Herren,

anknüpfend an die Ausführungen von Herrn Dietsch möchte ich Ihnen nun unsere Finanzziele für 2018 erläutern.

Wir erwarten für das Jahr 2018 einen Umsatz von etwa 35 Milliarden Euro. Diese Prognose basiert auf den Wechselkursen vom 31. Dezember 2017. Auf der Grundlage dieser Wechselkurse ergibt sich ein erheblicher negativer Währungseffekt, der unsere operative Planung überlagert. Zur besseren Vergleichbarkeit gebe ich unsere Prognosen daher währungsbereinigt an. Dies sehen Sie in der rechten Spalte der Tabelle.

Währungs- und portfoliobereinigt entspricht unsere Umsatzerwartung einem prozentualen Anstieg im unteren bis mittleren einstelligen Bereich. Für das bereinigte EBITDA und das bereinigte Ergebnis je Aktie planen wir währungsbereinigt einen Anstieg im mittleren einstelligen Prozentbereich.

Der Ausblick berücksichtigt vorübergehende Lieferausfälle durch Korrekturmaßnahmen in der Produktion. Bayer erwartet, dass der Einfluss auf das bereinigte EBITDA bei etwa 300 Millionen Euro liegen wird. Davon entfällt der weitaus überwiegende Teil auf die Division Pharmaceuticals und ein geringer Teil auf die Division Consumer Health.

Kommen wir nun zu den Zielen für die einzelnen Segmente. Bei Pharmaceuticals erwarten wir einen Umsatz von über 16,5 Milliarden Euro. Das entspricht einem währungs- und portfoliobereinigten Anstieg im unteren einstelligen Prozentbereich.

Den Umsatz mit unseren Hauptwachstumsprodukten Xarelto™, Eylea™, Stivarga™, Xofigo™ und Adempas™ wollen wir in Richtung sieben Milliarden Euro steigern. Das bereinigte EBITDA planen wir bei Pharmaceuticals währungsbereinigt im unteren einstelligen Prozentbereich zu steigern.

Für Consumer Health rechnen wir mit einem Umsatz von über 5,5 Milliarden Euro. Dies entspricht währungs- und portfoliobereinigt dem Vorjahresniveau. Für das bereinigte EBITDA erwarten wir währungsbereinigt eine Steigerung im unteren einstelligen Bereich.
Bei Crop Science rechnen wir für 2018 mit einem Umsatz von über 9,5 Milliarden Euro. Dies entspricht einem währungs- und portfoliobereinigten Anstieg im mittleren einstelligen Prozentbereich. Für das bereinigte EBITDA erwarten wir währungsbereinigt einen Anstieg im mittleren Zehner-Prozentbereich.

Für Animal Health gehen wir von einer währungs- und portfoliobereinigten Steigerung des Umsatzes im unteren einstelligen Prozentbereich aus. Das bereinigte EBITDA erwarten wir währungsbereinigt auf Vorjahresniveau.

Die geplante Übernahme von Monsanto ist bei diesen Prognosen noch nicht berücksichtigt. Wie schon erläutert, sind wir zuversichtlich, dass wir die erforderlichen Freigaben erhalten werden und die Übernahme im zweiten Quartal abschließen können. In diesem Fall rechnen wir mit einer deutlichen Steigerung des Umsatzes und des bereinigten EBITDA.

Beim bereinigten Ergebnis je Aktie erwarten wir einen moderaten Rückgang. Hintergrund sind die geplanten Eigenkapital- und Finanzierungsmaßnahmen.

Für das erste volle Jahr nach der Übernahme erwarten wir unverändert eine deutliche Steigerung des Umsatzes und des bereinigten EBIDTA sowie einen Zuwachs des bereinigten Ergebnisses je Aktie.


(2018-1500-10)

Meine Damen und Herren,

erlauben Sie mir zum Schluss noch einige gesellschaftspolitische Anmerkungen. Wir leben in einer Zeit des Misstrauens, in der auch Fakten immer weniger gelten. Das betrifft nicht nur die Unternehmen. Umfragen zeigen, dass die Menschen wichtigen gesellschaftlichen Institutionen nur wenig Vertrauen entgegenbringen. In Deutschland zum Beispiel vertrauen nach dem letzten „Global Trust Report“ des GfK Vereins nur 18 Prozent den politischen Parteien, 30 Prozent den großen Unternehmen und 45 Prozent den Medien.

Zum Teil wird das Misstrauen auch bewusst geschürt. Wir erleben, dass die emotionale Aufbereitung von Ängsten die Debatte prägt, oft mehr als die Vermittlung von Fakten. Das dient dazu, Stimmung zu erzeugen und Spendengeld zu sammeln. Angst ist ein Geschäftsmodell geworden.

Aber wenn kein Vertrauen herrscht und nichts mit Gewissheit gilt, worauf gründen wir dann unsere Entscheidungen? Wir haben alle ein Interesse daran, dass die Weichenstellungen für unsere Zukunft nicht zu stark politisiert werden. Das gilt für die Gesetzgebung ebenso wie für die Zulassung von Produkten und die gesellschaftliche Bewertung neuer Technologien.

Solche Entscheidungen sollten auf der Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse gefällt werden. Darauf müssen wir vertrauen können: Im Interesse der Sicherheit der Verbraucherinnen und Verbraucher, aber auch im Interesse des wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Fortschritts.

Misstrauen ist dagegen keine Basis für die Gestaltung der Zukunft. Deshalb bin ich fest davon überzeugt, dass wir alle in Vertrauen investieren müssen.

Für die Unternehmen heißt das vor allem, dass sie sich noch stärker zu ihrer gesellschaftlichen Verantwortung bekennen müssen. Wir haben eine Verantwortung gegenüber allen unseren Stakeholdern: gegenüber unseren Kunden und Mitarbeitern, gegenüber unseren Aktionären und der Gesellschaft insgesamt.

Dieser Verantwortung müssen wir gerecht werden. Das bedeutet: Wirtschaftliche Ambitionen und soziale Verantwortung, Ökonomie und Ökologie müssen Hand in Hand gehen. Um dies sicherzustellen, müssen ethische Prinzipien in allen Unternehmensprozessen fest verankert sein.

Bei Bayer ist das der Fall. In unserem Unternehmen gelten in allen Geschäftsbeziehungen hohe ethische, ökologische und soziale Standards. Klare Prozesse und Verantwortlichkeiten stellen sicher, dass die entsprechenden Konzernregelungen auch umgesetzt werden.

Das hat ganz konkrete Auswirkungen darauf, wie wir Dinge angehen. Wir kümmern uns darum, dass unsere Produkte vom Kunden sicher angewendet werden. Dies hilft dabei, mögliche Nebenwirkungen für die Gesundheit von Menschen, Tieren und Pflanzen zu minimieren. Wir arbeiten ständig daran, unsere Produktionsverfahren ressourcenschonender und emissionsärmer zu machen. Und wir nutzen unsere Beziehungen zu Lieferanten, um positive Veränderungen im Markt zu erreichen. In unserer Einkaufsrichtlinie sind neben wirtschaftlichen auch ethische, ökologische und soziale Grundsätze verankert.

Das sind nur wenige Beispiele. Sie zeigen, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Aber natürlich können wir auch in puncto Verantwortung für Gesellschaft und Umwelt noch besser werden. Deshalb setzen wir uns konkrete nicht-finanzielle Ziele und Leistungskennzahlen, an denen wir uns messen lassen. Auch diese Ziele finden Sie in unserem Geschäftsbericht.

Am Ende ist entscheidend, was wir tun. Wir wollen an unseren Taten gemessen werden. Aber das reicht alleine noch nicht, um Vertrauen zu schaffen. Dafür müssen wir auch verstärkt den Dialog suchen – mit allen gesellschaftlichen Gruppen. Denn nur wenn wir miteinander reden, können wir Gräben überbrücken. Handeln und Dialog, beides gehört zusammen: Vertrauen entsteht, indem man sagt, was man tut, und tut, was man sagt.

Ein aufrichtiger und fruchtbarer Dialog braucht vor allem auch Transparenz. Deshalb haben wir bei Crop Science Ende vergangenen Jahres eine Transparenz-Initiative gestartet. Auf einer speziellen Website ermöglichen wir jetzt Zugang zu sicherheitsrelevanten Informationen aus unserem Pflanzenschutz-Bereich. Auf Nachfrage sind auch vollständige Studienberichte für nicht-kommerzielle Zwecke erhältlich. Wir übernehmen damit in Sachen Transparenz eine Vorreiterrolle.

Übrigens haben wir uns auch im Pharma-Bereich schon seit Jahren dazu verpflichtet, Informationen über unsere klinischen Studien öffentlich zur Verfügung zu stellen. Dadurch begegnen wir dem häufig zu hörenden Vorwurf, Pharma-Studien würden nur öffentlich, wenn die Ergebnisse für die Unternehmen vorteilhaft sind.

Und wir bauen damit eine Brücke zwischen der Öffentlichkeit und unseren Wissenschaftlern, die zutiefst davon überzeugt sind, dass sie einen wertvollen Beitrag für die Gesellschaft leisten.


(2018-1500-11)

Fassen wir zusammen. Operativ war 2017 ein Jahr mit Licht und Schatten. Pharmaceuticals überzeugte mit einem weiteren Rekordjahr, und auch bei Animal Health verlief das Geschäft positiv. Die Geschäftsentwicklung bei Consumer Health war dagegen schwach, und Crop Science litt unter dem Brasilien-Effekt.

Es war also insgesamt kein einfaches Jahr. Dennoch haben wir weiter in unsere Zukunft investiert. Wir haben die Ausgaben für Forschung und Entwicklung weiter gesteigert und unser Forschungsnetzwerk ausgebaut.

Und auch strategisch haben wir große Fortschritte gemacht. Wir sind unserem Ziel, uns mittelfristig vollständig von Covestro zu trennen, ein großes Stück näher gekommen. Auf dem Weg zur geplanten Übernahme von Monsanto sind wir vorangekommen und arbeiten weiter konstruktiv mit den Behörden zusammen. Unser Ziel ist es nun, die Transaktion im zweiten Quartal 2018 abschließen zu können.

Wir schaffen damit ein führendes Innovationsunternehmen der Agrarwirtschaft. Dieser Schritt passt also hervorragend zu unserem Ziel, führende Positionen in unseren Märkten einnehmen zu wollen. Wir konzentrieren uns auf Gesundheit und Ernährung. Beide Bereiche sind ausdrücklicher Bestandteil der Entwicklungsziele der Vereinten Nationen. Und in beiden Bereichen besteht erheblicher langfristiger Innovationsbedarf.

Kurzum: Wir bleiben auf unsere Ziele fokussiert und sind von unserer langfristigen Perspektive überzeugt. Wir haben also allen Grund, optimistisch nach vorne zu schauen.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit!

Zukunftsgerichtete Aussagen
Diese Mitteilung kann zukunftsgerichtete Aussagen enthalten. Tatsächliche Ergebnisse können wesentlich von den in solchen zukunftsgerichteten Aussagen enthaltenen Einschätzungen oder Vorhersagen abweichen. Faktoren, die zu einem solchen Abweichen tatsächlicher Ergebnisse führen können, sind unter anderem: Ungewissheiten bezüglich des Zeitpunkts des Vollzugs der Transaktion; das Risiko, dass die Parteien die von dem Unternehmenszusammenschluss erwarteten Synergien und Effizienzsteigerungen nicht innerhalb des erwarteten Zeitraums (oder überhaupt nicht) erzielen oder die Integration des Geschäftsbetriebs der Monsanto Company („Monsanto“) in die Bayer Aktiengesellschaft („Bayer“) nicht gelingt; dass die Integration von Monsanto schwieriger, zeitaufwendiger oder teurer verläuft als erwartet; dass die Umsätze nach dem Vollzug der beabsichtigten Transaktion niedriger ausfallen als angenommen; dass Betriebskosten, der Verlust bestehender Kundenbeziehungen oder Störungen des gewöhnlichen Geschäftsablaufs infolge der Ankündigung der Transaktion (einschließlich Schwierigkeiten in der Aufrechterhaltung bestehender Beziehungen mit Arbeitnehmern, Kunden oder Lieferanten) höher bzw. schwerwiegender ausfallen als erwartet; der mögliche Verlust wichtiger Schlüsselarbeitnehmer von Monsanto; Risiken im Zusammenhang mit der Ablenkung des Managements vom operativen Tagesgeschäft durch die Transaktion; dass die Bedingungen für den Vollzug der beabsichtigten Transaktion nicht erfüllt werden oder die erforderlichen behördlichen Genehmigungen nicht planmäßig oder zu den erwarteten Bedingungen eingeholt werden können; die Erfüllbarkeit der Erwartungen der Parteien hinsichtlich des Zeitpunkts, des Vollzugs sowie der steuerlichen und bilanziellen Behandlung des Unternehmenszusammenschlusses; die Folgen der Refinanzierung der im Zusammenhang mit der Transaktion aufgenommenen Kredite, die Folgen der Fremdkapitalaufnahme durch Bayer im Zusammenhang mit der Transaktion sowie deren mögliche Auswirkungen auf das Rating von Bayer; die Auswirkungen des Zusammenschlusses von Bayer und Monsanto, einschließlich der zukünftigen Finanzlage, des operativen Ergebnisses, der Strategie sowie der Pläne des kombinierten Unternehmens; weitere Faktoren, die in dem von Monsanto bei der US-amerikanischen Securities and Exchange Commission („SEC“) eingereichten Jahresbericht (Form 10-K) für das am 31. August 2017 zu Ende gegangene Geschäftsjahr und anderen von Monsanto bei der SEC eingereichten Berichten (erhältlich unter www.sec.gov und auf Monsantos Webseite unter www.monsanto.com) beschrieben sind; sowie andere Faktoren, die in den von Bayer veröffentlichten Berichten (erhältlich auf der Bayer-Webseite www.bayer.de) beschrieben sind. Soweit rechtlich nicht anders vorgeschrieben, übernehmen Bayer und Monsanto keine Verpflichtung, die in dieser Mitteilung enthaltenen Informationen zu aktualisieren. Zukunftsgerichteten Aussagen, deren Wirkung lediglich auf das Datum dieser Mitteilung abstellt, sollte keine unangemessene Bedeutung beigemessen werden.

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