Mittwoch - 27. Februar 2019
Bilanz-Pressekonferenz

Aus den Ausführungen von Werner Baumann

Vorsitzender des Vorstands der Bayer AG

(Es gilt das gesprochene Wort)


Meine Damen und Herren,

ich begrüße Sie sehr herzlich hier im Baykomm zur Vorstellung unseres Jahresab-schlusses – auch im Namen meiner Vorstandskollegen. Wir freuen uns sehr, dass Sie heute wieder bei uns sind.


(2019-1501-1)

Wir blicken auf ein besonderes Jahr 2018 zurück: das Jahr, in dem wir die größte Akquisition in der Geschichte unseres Unternehmens erfolgreich abgeschlossen haben. Sicher stehen wir noch am Anfang unserer gemeinsamen Reise. Aber so viel kann ich jetzt schon sagen: Die Integration der beiden Unternehmen ist hervorragend gestartet und auf einem gutem Weg.

Es gibt aber auch neue Herausforderungen. Als Folge eines erstinstanzlichen Urteils zu Glyphosat verzeichnete unsere Aktie kräftige Kursverluste. Damit sind wir natürlich alles andere als zufrieden.

Ein weiterer Prozess zu Glyphosat hat Anfang der Woche in San Francisco begonnen. Insgesamt sind im Jahr 2019 derzeit sieben Verfahren zur Verhandlung angesetzt, das nächste startet Mitte März. Im Vergleich zu unserer Kommunikation nach dem dritten Quartal im vergangenen November ist die Zahl der Klagen erwartungsgemäß weiter gestiegen. Bis zum 28. Januar 2019 wurden uns Klagen von etwa 11.200 Klägern zugestellt. Ich möchte es hier noch einmal betonen: Wir halten das Urteil im Fall Johnson für falsch. Daher haben wir Berufung eingelegt. Und wir werden uns auch in allen weiteren Verfahren entschieden zur Wehr setzen. Glyphosat ist ein sicheres Produkt. Das belegen zahlreiche wissenschaftliche Studien und die unabhängigen Bewertungen von Zulassungsbehörden auf der ganzen Welt. Seit mehr als 40 Jahren.

Kürzlich hat das kanadische Gesundheitsministerium die Sicherheit von Glyphosat ein weiteres Mal überprüft. Das Fazit der Behörde lässt keinen Spielraum für Interpretationen, ich zitiere: „Wir sind zu dem Schluss gekommen, dass die vorgebrachten Bedenken nicht wissenschaftlich gestützt werden können (…). Ausgehend von den Mengen Glyphosat, mit denen Menschen in Berührung kommen, sieht derzeit keine Zulassungsbehörde weltweit ein Krebsrisiko für den Menschen.“ Für uns unterstreicht diese offizielle Stellungnahme einmal mehr, dass wir die Fakten auf unserer Seite haben. Weitere Informationen zu Glyphosat finden Sie übrigens auf unserer Homepage unter www.bayer.com.

Ein weiterer wichtiger Schritt im vergangenen Jahr war unsere Ende November kommunizierte Entscheidung, unsere Wettbewerbsfähigkeit und Innovationskraft mit einigen Maßnahmen weiter zu stärken. Dazu gehört insbesondere, dass wir uns von der Geschäftseinheit Animal Health sowie von den Consumer-Health-Marken Coppertone™ und Dr. Scholl’s™ trennen wollen. Zudem ist der Verkauf unseres 60-prozentigen Anteils am deutschen Standortdienstleister Currenta geplant. Hinzu kommt – wie kommuniziert – eine Reihe von Effizienz- und Strukturmaßnahmen, in deren Rahmen ab 2022 jährliche Beiträge in Höhe von 2,6 Milliarden Euro vorgesehen sind. Dies geht mit einem geplanten Abbau von rund 12.000 Arbeitsplätzen einher.

Auch für 2018 können wir trotz eines herausfordernden Markt- und Währungsumfeldes erneut ein weiteres Wachstum von Umsatz und Ergebnis verzeichnen. Dabei wurden die operativen Umsatz- und Ergebnissteigerungen sowie die Beiträge aus dem erworbenen Geschäft teilweise durch negative Währungseffekte kompensiert.

Wir wollen auch in diesem Jahr unsere Aktionärinnen und Aktionäre angemessen am Erfolg von Bayer beteiligen und schlagen daher der Hauptversammlung eine Dividende von 2,80 Euro pro Aktie vor. Aufgrund der höheren Aktienzahl ist dies insgesamt eine neue Rekordausschüttung.


(2019-1501-2)

Lassen Sie mich nun zu den Geschäftszahlen im Einzelnen kommen. Der Bayer-Konzern erzielte im Jahr 2018 einen Umsatz von 39,6 Milliarden Euro. Bereinigt um Währungseinflüsse und Portfolioveränderungen entspricht das einem Plus von 4,5 Prozent. Bitte beachten Sie: Beim Umsatz spreche ich immer von währungs- und portfoliobereinigten Veränderungen.

Das um Sondereinflüsse bereinigte EBITDA – also das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen – stieg um 2,8 Prozent auf 9,5 Milliarden Euro. Dabei belasteten Währungseffekte das Ergebnis mit fast einer halben Milliarde Euro. Das EBIT ging dagegen um 33,7 Prozent auf 3,9 Milliarden Euro zurück. Darin sind Sonderaufwendungen in Höhe von 2,6 Milliarden Euro enthalten. Diese ergaben sich vor allem aus Wertminderungen bei Consumer Health und aus Sonderaufwendungen in Verbindung mit dem akquirierten Geschäft. Ein einmaliger Sonderertrag in Höhe von 4,1 Milliarden Euro resultierte dagegen aus Desinvestitionen.

Das bereinigte Ergebnis je Aktie lag mit 5,94 Euro wie erwartet akquisitionsbedingt unter dem Vorjahr. Konkret betraf dies zusätzliche Finanzierungskosten sowie die nur teilweise Einbeziehung von Umsatz- und Ergebnisbeiträgen im saisonal schwächeren zweiten Halbjahr. Hinzu kommt: Die Zahl der Aktien, die in die Berechnung eingeht, hat durch die Eigenkapitalmaßnahmen aus dem zweiten Quartal 2018 deutlich zugenommen. Gemessen an unserer aktualisierten Prognose vom September haben wir damit unsere operativen Ziele für Umsatz und Ergebnis im Jahr 2018 erreicht. Das bereinigte Ergebnis je Aktie lag sogar leicht über unserer Erwartung.


(2019-1501-3)

Kommen wir nun zur Geschäftsentwicklung der einzelnen Divisionen. In unserem Geschäft mit verschreibungspflichtigen Arzneimitteln stieg der Umsatz um 3,4 Prozent auf 16,7 Milliarden Euro. Maßgeblich dafür waren deutliche Zuwächse in China sowie erneut die insgesamt starke Entwicklung unserer Hauptwachstumsprodukte. Dagegen belasteten die vorübergehenden Lieferengpässe bei einigen unserer etablierten Produkte das Geschäft.

Der Umsatz mit dem Gerinnungshemmer Xarelto™, dem Augenmedikament Eylea™, den Krebsmedikamenten Xofigo™ und Stivarga™ sowie Adempas™ gegen Lungenhochdruck lag zusammen bei 6,8 Milliarden Euro. Dies entsprach einem Wachstum von währungsbereinigt 13,5 Prozent.

Bei Xarelto™ konnten wir das Geschäft weiter deutlich ausweiten – der Zuwachs lag bei 12,8 Prozent. Dies lag hauptsächlich am höheren Absatz in Europa, China und Kanada. In den USA gingen die als Umsatz erfassten Lizenzeinnahmen dagegen zurück. Dort wird Xarelto™ von einer Tochtergesellschaft von Johnson & Johnson vermarktet.

Auch den Umsatz mit Eylea™ konnten wir deutlich steigern – plus 19,6 Prozent. Hauptgrund dafür war ein höherer Absatz in Europa, Japan und Kanada. Adempas™ konnte ebenfalls kräftig zulegen. Bei Xofigo™ gingen die Umsätze dagegen zurück, hauptsächlich durch eine geringere Nachfrage in den USA und in Europa.

Ausbauen konnten wir das Geschäft mit unseren Hormonspiralen der Mirena™-Produkt-familie – plus 6,9 Prozent. Dies lag vor allem an der erfolgreichen Vermarktung von Kyleena™ in den USA. Deutliche Umsatzrückgänge verzeichneten wir dagegen mit unseren Blutgerinnungsmitteln Kogenate™ / Kovaltry™ / Jivi™ und bei unserem Krebsmedikament Nexavar™. Insgesamt legten unsere 15 umsatzstärksten Pharma-Produkte um 6,1 Prozent zu.

Das EBITDA vor Sondereinflüssen von Pharmaceuticals verringerte sich um 2,0 Prozent auf 5,6 Milliarden Euro. Rechnet man die negativen Währungseffekte von 256 Millionen Euro heraus, ergibt sich ein Plus von 2,5 Prozent.


(2019-1501-4)

Damit komme ich zu Consumer Health. Für unser Geschäft mit rezeptfreien Arzneimitteln war 2018 ein schwieriges Jahr. Wir haben aber eine Reihe von strategischen Maßnahmen gestartet, um in diesem sich rapide verändernden Marktumfeld erfolgreich zu sein. Der Umsatz von Consumer Health lag 2018 mit 5,5 Milliarden Euro auf dem Niveau des Vorjahres. Positiv entwickelte sich das Geschäft in den Regionen Lateinamerika und Asien / Pazifik. In Nordamerika und Europa / Nahost / Afrika verzeichneten wir dagegen Umsatzrückgänge. Auch bei Consumer Health belasteten die vorübergehenden Lieferschwierigkeiten wie erwartet den Umsatz.

Unser umsatzstärkstes Produkt bei Consumer Health, das Antihistaminikum Claritin™, verzeichnete einen Umsatzrückgang. Dies betraf vor allem unseren Hauptabsatzmarkt USA, der durch eine schwache Saison in diesem Marktsegment sowie einen verstärkten Wettbewerb gekennzeichnet war.

Auch bei unserem Schmerzmittel Aspirin™ verzeichneten wir geringere Umsätze. Zusammen mit dem bei Pharmaceuticals ausgewiesenen Geschäft mit Aspirin™ Cardio lag der Umsatz bei 975 Millionen Euro. Währungsbereinigt entsprach dies einem Rückgang bei unseren Aspirin™-Produkten um 1,5 Prozent.

Positiv entwickelte sich dagegen das Geschäft mit unseren Wundheilungs- und Hautpflegemitteln Bepanthen™ / Bepanthol™, wo wir insbesondere von Produktlinienerweiterungen in Brasilien und der Türkei profitierten.

Das um Sondereinflüsse bereinigte EBITDA von Consumer Health ging im vergangenen Jahr deutlich zurück – um 11 Prozent auf 1,1 Milliarden Euro. Dabei schlugen negative Währungs- und Portfolioeffekte mit 82 Millionen Euro zu Buche. Rechnet man sie heraus, lag das Ergebnis um etwa 4 Prozent unter dem Vorjahr. Neben geringeren Absatzmengen lag der Ergebnisrückgang auch daran, dass im Vorjahr höhere Einmalerträge angefallen waren. Positiv wirkte sich dagegen aus, dass wir die Vertriebs- und Verwaltungskosten senken konnten.


(2019-1501-5)

Unsere Division Crop Science erzielte im vergangenen Jahr einen Umsatz von 14,3 Milliarden Euro. Nominal entsprach das einem Zuwachs von 49 Prozent. Dieser kam hauptsächlich durch das akquirierte Geschäft zustande, das seit dem 7. Juni enthalten ist. Dagegen sind die an BASF abgegebenen Geschäfte nur bis zum Abschluss der Verkäufe enthalten.

Bereinigt um Währungs- und Portfolioeffekte legte der Umsatz um 6,1 Prozent zu. Dieser Zuwachs beruhte insbesondere auf der Normalisierung der Marktsituation in Brasilien. Dort hatten die von uns getroffenen Maßnahmen im Zusammenhang mit überhöhten Lagerbeständen das Geschäft im Vorjahr beeinträchtigt. Hinzu kam eine positive Umsatzentwicklung in den Regionen Nordamerika und Asien / Pazifik. Besonders stark wuchs das Geschäft in China, Japan und Indien. Rückläufig war das Geschäft dagegen in der Region Europa / Nahost / Afrika. Zu einem Umsatzrückgang in Europa führten Zulassungsbeschränkungen sowie ungünstige Wetterbedingungen.

Das um Sondereinflüsse bereinigte EBITDA von Crop Science erhöhte sich im Geschäftsjahr 2018 um fast 30 Prozent auf 2,7 Milliarden Euro. Ein wichtiger Grund für den Anstieg war der Ergebnisbeitrag des akquirierten Geschäfts in Höhe von rund 700 Millionen Euro. Negative Währungseffekte schlugen mit rund 100 Millionen Euro zu Buche.

Der Umsatz unserer Geschäftseinheit Animal Health lag mit 1,5 Milliarden Euro und einem leichten Anstieg um 0,5 Prozent auf dem Niveau des Vorjahrs. Bei unseren Produkten der Advantage™-Produktfamilie mit Floh-, Zecken- und Entwurmungsmitteln war das Geschäft rückläufig. Dagegen erzielte das Floh- und Zeckenhalsband Seresto™ ein Umsatzplus von währungsbereinigt fast 30 Prozent. Das bereinigte EBIDTA ging um 6 Prozent auf 358 Millionen Euro zurück.

So viel zu unseren Geschäftszahlen für das gesamte vergangene Jahr. Wolfgang Nickl wird Ihnen nun die Entwicklung im vierten Quartal 2018 und unsere Prognose für 2019 erläutern, sowie weitere Details zu unseren Finanzen.

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REDE NICKL
(siehe separates Dokument)

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(Fortsetzung Rede Baumann)



(2019-1501-6)

Meine Damen und Herren,

wie Sie sehen, blicken wir zuversichtlich in die Zukunft. Diese Zuversicht ist wohlbegründet. Vor allem auch deshalb, weil wir konsequent und beharrlich weiterarbeiten, mit unserer starken gemeinsamen Unternehmenskultur und einem klaren Fokus auf Forschung und Innovation. Daher soll auch ein Teil der im Rahmen der bereits angesprochenen Effizienz- und Strukturmaßnahmen frei werdenden Mittel genutzt werden, um die Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens weiter zu stärken. In den kommenden vier Jahren sind insgesamt rund 35 Milliarden Euro für Zukunftsinvestitionen vorgesehen, zwei Drittel davon für Forschung und Entwicklung.

Vor diesem Hintergrund möchte ich Ihnen nun einen kurzen Überblick über unsere Innovationsaktivitäten geben. Im vergangenen Jahr sind unsere Ausgaben für Forschung und Entwicklung – auch akquisitionsbedingt – um 16,5 Prozent auf 5,2 Milliarden Euro gestiegen. Im kommenden Jahr werden sie weiter steigen. Dann werden die F&E-Investitionen des akquirierten Agrargeschäfts für das gesamte Jahr enthalten sein.

An unseren Forschungsstandorten auf der ganzen Welt arbeiten derzeit über 17.000 Kollegen an Innovationsprojekten. Zugleich sind wir überall mit externen Partnern vernetzt, um bestmöglich Zugang zu komplementären Technologien, Know-how und neuen Ideen zu bekommen. Dazu gehören Universitäten, Forschungsinstitute, Behörden, Zulieferer und Start-ups.

Ein Beispiel für diese Strategie ist Leaps by Bayer. Dieses Innovations- und Kooperationsmodell mit Standorten in Berlin, Boston und San Francisco hat das Ziel, bahnbrechende Zukunftstechnologien für Bayer verfügbar zu machen. Leaps by Bayer hat bisher etwa 600 Millionen Euro in Gründungen und Kooperationen investiert. Wir arbeiten dabei an Sprunginnovationen, etwa im Feld der Stammzellenforschung oder der synthetischen Biologie.

Dass wir bei Bayer Innovation wirklich leben, zeigt eine weitere Zahl: Unsere Mitarbeiter bringen im Durchschnitt jedes Jahr 450 Erfindungen hervor, für die Bayer Patentschutz beantragt. Das sind mehr als zwei Erfindungen pro Arbeitstag. Neue Dinge, die versprechen, die Welt noch ein bisschen besser zu machen. Natürlich wird nicht aus jeder Idee oder aus jedem neuen Molekül auch ein Produkt. Aber viele gute Ideen sind die wichtigste Voraussetzung für Innovation, die den Menschen dient.

Außerdem zeigt ein Blick auf unsere konkreten Forschungsprojekte, dass viele dieser Ideen tatsächlich weiterverfolgt werden. Unsere Pharma-Pipeline enthält derzeit rund 50 Projekte, bei denen es 2018 einige erfreuliche Fortschritte gab.

So haben wir in den USA die Zulassung für Vitrakvi™ erhalten, ein hochwirksames und innovatives Krebsmedikament. Den Wirkstoff – Larotrectinib – haben wir gemeinsam mit dem US-Unternehmen Loxo Oncology entwickelt. Wir haben kürzlich die Option ausgeübt, nach der Übernahme von Loxo Oncology durch Eli Lilly die alleinige Verantwortung für die globale Entwicklung und Vermarktung von Larotrectinib und eines weiteren Wirkstoffs zu übernehmen. Wir schätzen das Spitzenumsatzpotenzial von Vitrakvi™ auf mehr als 750 Millionen Euro.

Ein weiteres Krebsmedikament in unserer Entwicklung ist Darolutamid, ein neuartiger Wirkstoff zur oralen Behandlung von Prostatakrebs. Hier konnten wir im vergangenen Jahr eine Phase-III-Studie erfolgreich abschließen. Es zeigte sich, dass die Zeit bis zum Auftreten von Metastasen deutlich verlängert werden konnte. Zudem weist es ein günstiges Sicherheitsprofil auf. Die vollständigen Daten aus der Studie, die nun im
Februar 2019 im New England Journal of Medicine veröffentlicht wurden, bestätigen diese positive Entwicklung. Das Spitzenumsatzpotenzial von Darolutamid schätzen wir auf mindestens eine Milliarde Euro.

Ein weiteres vielversprechendes Projekt aus unserer fortgeschrittenen Pipeline ist Finerenone. Der Wirkstoff befindet sich momentan in Phase III der klinischen Entwicklung zur Behandlung von Patienten mit diabetischer Nierenerkrankung. Auch bei Finerenone rechnen wir mit einem Spitzenumsatzpotenzial von mindestens einer Milliarde Euro.

Zugleich haben wir auch bei der Weiterentwicklung unserer Pharma-Produkte, die schon im Markt sind, im vergangenen Jahr Fortschritte gemacht. So haben wir die Zulassung in einer weiteren Indikation für Xarelto™ in Europa und den USA erhalten sowie die Zulassung für Eylea™ in China. Außerdem wurden unsere Hämophilie-A-Medikamente Kovaltry™ in China und Jivi™ in Europa, Japan und den USA zugelassen.

Kommen wir zu unseren Innovationsaktivitäten im Agrarbereich. Hier liegt der Fokus natürlich auf der Integration der Forschung des akquirierten Geschäfts. Gemeinsam verfügen wir nun über die größte und wertvollste Forschungspipeline der Branche. Sie enthält mehr als 75 Projekte in den Bereichen Saatgut und Pflanzeneigenschaften, Pflanzenschutz und digitale Landwirtschaft. Bei den digitalen Anwendungen verfügen wir mit FieldView™ nun über die führende Plattform für digitale Landwirtschaft. Bei Crop Science schätzen wir das Spitzenumsatzpotenzial von Produkten, die im Zeitraum 2017 bis 2022 auf den Markt kommen, auf über 17 Milliarden Euro.

Darüber hinaus haben wir auch im vergangenen Jahr weitere Kooperationen geschlossen und Allianzen geschmiedet, mit denen wir ehrgeizige Ziele verfolgen. Dazu gehört eine Kooperation mit dem US-Unternehmen Pairwise Plants. Dabei geht es um den Einsatz von Genom-Editierungs-Technologien in der Landwirtschaft.

Ein weiteres Beispiel ist eine Kooperation mit mehreren Agrarunternehmen, die dazu beitragen soll, Malaria bis zum Jahr 2040 vollständig auszurotten. Um dabei zu helfen, haben die Unternehmen ihre Unterstützung bei der Erforschung, Entwicklung und Bereitstellung innovativer Lösungen zur Vektorkontrolle zugesagt.

So viel zu diesem kurzen Überblick über unsere Innovationsaktivitäten. Bevor ich zum Schluss komme, möchte ich auch in diesem Jahr wieder die Gelegenheit nutzen und kurz einige politische Punkte ansprechen, die mir wichtig sind.


(2019-1501-7)

Wir beobachten seit Jahren tiefgreifende Veränderungen in der Welt, die Antworten erfordern. Dazu gehört die Beschleunigung der Innovationszyklen durch die Digitalisierung und andere disruptive Technologien. Und dazu gehört der Bedeutungsverlust Europas als ein wirtschaftliches Gravitationszentrum.

Verfolgt man die öffentlichen Debatten in Deutschland und Europa, gewinnt man allerdings nicht den Eindruck, dass dies gesehen wird. Während anderswo an der Zukunft gearbeitet wird, hadern hier viele Menschen mit dem technischen Fortschritt. Was nützlich ist, nimmt man freilich gerne mit, aber die Technologien selbst – oder ihre Begleiterscheinungen – werden häufig abgelehnt.

Ich möchte gar nicht in Abrede stellen, dass es dabei oft um komplexe Fragen geht, auf die es keine einfachen Antworten gibt. Mein Punkt ist: Es muss uns als Gesellschaft gelingen, schwierige Abwägungen in einer Weise zu treffen, die fundiert und angemessen ist, und die allen Aspekten Rechnung trägt. Und dazu gehören eben auch der Erhalt und die Schaffung von Arbeitsplätzen, die technologische Wettbewerbsfähigkeit und eine leistungsfähige industrielle Basis. Denn das sind Voraussetzungen für die Sicherung unseres Wohlstands.

Wie wenig solche Zusammenhänge berücksichtigt werden, hat im vergangenen Jahr ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs gezeigt. Die Richter kamen zu dem Schluss, dass Genom-Editierungs-Technologien wie CRISPR/Cas als Gentechnik einzustufen sind und entsprechend reguliert werden müssen. Es gibt aber keinen sachlichen Grund für eine besonders strenge Regulierung von Pflanzen, die auf diese Weise gezüchtet wurden: Wenn sie keine artfremden Gene enthalten, unterscheiden sie sich überhaupt nicht von traditionell gezüchteten Pflanzen. Durch dieses Urteil des Europäischen Gerichtshofs wird es unattraktiv, in Europa mit dieser großartigen, vielversprechenden neuen Technologie zu arbeiten. Die Politik ist aufgerufen, eine schnelle Lösung zu finden. Ansonsten droht Europa auch hier den Anschluss zu verlieren.

Es geht um nichts weniger als um die Sicherung unseres Wohlstands. Dafür brauchen wir bessere Rahmenbedingungen für Unternehmen und technologische Innovation. Dazu zählt eine angemessene Regulierung, die neue Technologien möglich macht und das Vorsorgeprinzip, das gut und richtig ist, nicht überbetont.

Dabei geht es auch darum, dass die Welt Innovationen braucht, um Probleme zu lösen. Um den Klimawandel in den Griff zu bekommen, weitere Fortschritte bei der Bekämpfung von Krankheiten zu erzielen, die wachsende Weltbevölkerung zu ernähren und gleichzeitig natürliche Ressourcen zu schonen. Dazu wollen wir einen Beitrag leisten. Dabei gehen wirtschaftliche Ambitionen und soziale Verantwortung, Ökonomie und Ökologie bei uns Hand in Hand.

Das zeigen zum Beispiel verschiedene „Access to Medicine“-Aktivitäten, mit denen wir den Menschen in Entwicklungs- und Schwellenländern Zugang zu unseren medizinischen Produkten ermöglichen. Oder unsere Initiativen, mit denen wir Kleinbauern in aller Welt helfen, produktiver zu werden und zugleich nachhaltiger zu wirtschaften.

Zu unserem Verständnis von gesellschaftlicher Verantwortung gehört auch, dass wir den Dialog suchen – mit allen Gruppen, die an einem sachlichen Austausch interessiert sind. Aber Dialog braucht Vertrauen, und Vertrauen braucht Transparenz. Deshalb haben wir mit unserer Transparenzinitiative eine Vorreiterrolle in der Agrarbranche übernommen. Im Rahmen dieser Initiative machen wir Sicherheitsstudien zu Pflanzenschutzmitteln auf einer eigens dafür geschaffenen Transparenzplattform öffentlich zugänglich. Seit Dezember vergangenen Jahres sind dort auch über 300 Zusammenfassungen von Studien zur Sicherheit von Glyphosat online verfügbar.


(2019-1501-8)

Lassen Sie mich zum Schluss kommen. Wie eingangs gesagt, war das Jahr 2018 herausfordernd. Dennoch konnten wir erneut wachsen und unsere Ertragskraft steigern.

Die Welt verändert sich derzeit rapide. Märkte sind im Wandel, neue Technologien krempeln ganze Branchen um. Agile, innovative Start-ups erscheinen auf der Bildfläche. Bestehende Wettbewerber fusionieren, spalten sich auf, positionieren sich neu. Wer sich in diesem Umfeld nicht bewegt, verliert den Anschluss. Aktive Gestaltung war schon immer eine Stärke von Bayer: Seit über 150 Jahren ist das Unternehmen ständig in Bewegung, hat auf Marktveränderungen immer schnell reagiert und vorausschauend gehandelt.

So auch jetzt. Ich bin überzeugt: Wir haben die richtigen Weichen für die Zukunft gestellt. Wir haben uns in den vergangenen Jahren konsequent zu einem fokussierten Life-Science-Unternehmen entwickelt, klar ausgerichtet auf die Megatrends in Gesundheit und Ernährung und vereint unter der starken Dachmarke Bayer – einer Marke, die in der ganzen Welt für Qualität und Integrität steht.

Durch unsere Akquisition im Agrarbereich sind wir zur Nummer eins in diesem Markt aufgestiegen. Und durch die angekündigten Portfolio-, Effizienz- und Strukturmaßnahmen werden wir fokussierter, schlagkräftiger, agiler und wettbewerbsfähiger. Unsere Agenda für 2019 ist damit klar: Neben der Erreichung unserer operativen Ziele wird es vor allem darum gehen, die Integration bei Crop Science voranzutreiben und unsere führende Position im Agrarbereich zum Wohle von Kunden und Konsumenten effektiv zu nutzen.

Gleichzeitig werden wir uns darauf konzentrieren, das angekündigte Effizienzprogramm umzusetzen und die Synergien aus der Übernahme zu realisieren. Und natürlich werden wir uns in den anstehenden Prozessen zu Glyphosat weiterhin entschieden verteidigen, weil es ein sicheres und nützliches Produkt für eine moderne und nachhaltige Landwirtschaft ist.

Bei Pharmaceuticals werden wir vor allem daran arbeiten, unsere Innovationskraft weiter zu steigern und das Innovationstempo zu erhöhen. Dafür werden wir – wie angekündigt – unsere Investitionen in Forschungskooperationen und externe Innovationen intensivieren. Für uns ist nicht entscheidend, woher großartige Ideen kommen, sondern wie wir daraus innovative Therapien für Patienten entwickeln können.

Bei Consumer Health wird der Schwerpunkt unserer Arbeit darauf liegen, das Geschäft wieder erfolgreicher zu machen. Wir wollen mit unseren rezeptfreien Arzneimitteln an das Marktwachstum anschließen und die Profitabilität steigern.

So blicken wir nach vorn: mit klarem Fokus auf Innovation und auf unsere Kerngeschäfte, mit ambitionierten Zielen und mit einer klaren Agenda, um das zu liefern, was wir versprochen haben.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit!

Zukunftsgerichtete Aussagen
Diese Presseinformation kann bestimmte in die Zukunft gerichtete Aussagen enthalten, die auf den gegenwärtigen Annahmen und Prognosen der Unternehmensleitung von Bayer beruhen. Verschiedene bekannte wie auch unbekannte Risiken, Ungewissheiten und andere Faktoren können dazu führen, dass die tatsächlichen Ergebnisse, die Finanzlage, die Entwicklung oder die Performance der Gesellschaft wesentlich von den hier gegebenen Einschätzungen abweichen. Diese Faktoren schließen diejenigen ein, die Bayer in veröffentlichten Berichten beschrieben hat. Diese Berichte stehen auf der Bayer-Webseite www.bayer.de zur Verfügung. Die Gesellschaft übernimmt keinerlei Verpflichtung, solche zukunftsgerichteten Aussagen fortzuschreiben und an zukünftige Ereignisse oder Entwicklungen anzupassen.

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