Donnerstag - 27. Februar 2020
Bilanz-Pressekonferenz

Aus den Ausführungen von Werner Baumann

Vorsitzender des Vorstands der Bayer AG

(Es gilt das gesprochene Wort)


Meine sehr geehrten Damen und Herren,

ich begrüße Sie herzlich hier im Baykomm zu unserer Bilanzpressekonferenz. Meine Vorstandskollegen und ich freuen uns, Ihnen unseren Jahresabschluss für das Geschäftsjahr 2019 vorstellen zu dürfen und natürlich im Nachgang Ihre Fragen zu beantworten.

Ich möchte heute mit Ihnen auf das Geschäftsjahr 2019 zurückblicken, das für mich unter der Überschrift steht: „Wir haben geliefert.“


(2020-1500-1)

Sie werden sich erinnern: Wir haben vor etwas mehr als einem Jahr, im Dezember 2018, unseren Kapitalmarkttag veranstaltet. Dazu haben wir ambitionierte Ziele kommuniziert und über strategische Schwerpunkte, etwa im Bereich Nachhaltigkeit, gesprochen.

Unmittelbar vor dem Kapitalmarkttag hatten wir ein umfangreiches Paket an Maßnahmen verkündet, mit Blick auf unser Portfolio, unsere Struktur und Effizienz, um Bayer für die Zukunft gut aufzustellen. Heute, etwas mehr als ein Jahr später, kann ich sagen, dass wir in allen Bereichen unsere Versprechen gehalten haben.

Das betrifft das operative Geschäft: Wir haben im abgelaufenen Geschäftsjahr unsere Finanzziele erreicht, obwohl wir – gerade was den Agrarsektor angeht – mit einem schwierigen Marktumfeld zu kämpfen hatten. Dazu gleich mehr.

Wir haben auch geliefert bei den angekündigten Portfoliomaßnahmen. Unser Animal-Health-Geschäft soll für 7,6 Milliarden Dollar an Elanco verkauft werden. Den Abschluss der Transaktion erwarten wir Mitte dieses Jahres. Darüber hinaus haben wir uns 2019 von unserem Anteil am Standortdienstleister Currenta genauso erfolgreich getrennt wie von den Marken Dr. Scholl’s™ und Coppertone™.

Alle diese Portfoliomaßnahmen hatten wir im Dezember 2018 angekündigt. Wir konnten die Transaktionen früher als geplant umsetzen. Und noch wichtiger: Wir haben damit zum Teil überaus attraktive Veräußerungserlöse für unser Unternehmen erzielt.

Wir haben auch geliefert bei den Effizienz- und Strukturmaßnahmen. Mein Kollege Wolfgang Nickl wird Ihnen gleich ein Update geben, wo wir bei der Umsetzung unserer laufenden Programme stehen. Er wird auch darüber informieren, wie wir mit der Integration unseres Agrargeschäfts 2019 vorangekommen sind.

Bereits 2018 beim Vollzug der Akquisition hatten wir über die Bedeutung von Nachhaltigkeit gesprochen. Wir hatten gesagt, dass wir mit derselben Entschlossenheit an unseren Nachhaltigkeitszielen arbeiten werden wie an unseren Finanzzielen.

Auch hier haben wir geliefert. Wir haben 2019 unsere Anstrengungen für Nachhaltigkeit deutlich verstärkt und uns ambitionierte Ziele gesetzt. Ich werde später noch darauf eingehen.

Gleichzeitig haben wir im Geschäftsjahr 2019 aber auch demonstriert, was uns als Wissenschaftsunternehmen ausmacht. Wir sind überzeugt, dass wir mit unseren Produkten, mit unserer wissenschaftlichen Kompetenz und unserer Innovationskraft viel dazu beitragen können, das Leben von Menschen zu verbessern. Deshalb haben wir im vergangenen Jahr 5,3 Milliarden Euro in Forschung und Entwicklung investiert.

Das ist ein Rekordwert: Bayer ist seit mehr als 150 Jahren ein wissenschaftsbasiertes Unternehmen. Aber es wurde noch nie so viel in Forschung und Entwicklung investiert wie im vergangenen Jahr.

Am heutigen Tag soll natürlich ein besonderer Fokus auf unseren finanziellen Zielen liegen. Deshalb lassen Sie mich nun direkt zu unserer Geschäftsentwicklung im vergangenen Jahr kommen.


(2020-1500-2)

Der Bayer-Konzern erzielte im Geschäftsjahr 2019 einen Umsatz von 43,5 Milliarden Euro. Das um Sondereinflüsse bereinigte EBITDA – also das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen – betrug 11,5 Milliarden Euro. Das ist der höchste Wert, der jemals bei Bayer erzielt wurde.

In der Übersicht sehen Sie die zweistelligen Zuwachsraten gegenüber dem Jahr 2018. Dabei spielt natürlich eine wesentliche Rolle, dass das ehemalige Unternehmen Monsanto seit Juni 2018 zu Bayer gehört. Entsprechend war 2019 das akquirierte Geschäft bei Crop Science erstmals im gesamten Jahr enthalten.

Aber auch ohne diesen Effekt können Sie große Fortschritte sehen. So wuchs der Umsatz bereinigt um Währungseinflüsse und Portfolioveränderungen um 3,5 Prozent.

Das EBIT stieg 2019 auf 4,2 Milliarden Euro. Darin waren per saldo Sonderaufwendungen in Höhe von 2,8 Milliarden Euro enthalten.

Das bereinigte Konzernergebnis je Aktie stieg 2019 auf 6,40 Euro. Ausschlaggebend sind hier der Ergebnisbeitrag des akquirierten Crop-Science-Geschäfts und die positive Geschäftsentwicklung bei Pharma.

Wolfgang Nickl wird gleich noch weiter auf den Geschäftsverlauf der Divisionen eingehen. Doch davor möchte ich noch einmal auf die Prognose schauen, die wir für 2019 aufgestellt hatten, und darauf, wie wir auch hier geliefert haben.


(2020-1500-3)

Genau vor einem Jahr haben wir die finanziellen Ziele für 2019 kommuniziert, die noch die Geschäftseinheit Animal Health, den Anteil an Currenta sowie Coppertone™ und Dr. Scholl’s™ enthielten.

Nachdem im Jahresverlauf der Verkauf dieser Geschäfte vereinbart werden konnten, haben wir im Oktober die Prognose für das Gesamtjahr entsprechend um diese technischen Effekte angepasst und die aktuellen Wechselkurse zugrunde gelegt.

Heute können wir festhalten, dass wir alle diese Ziele erreicht haben. Bei unseren drei zentralen Kennzahlen – Umsatz, EBITDA vor Sondereinflüssen und bereinigtes Ergebnis je Aktie – können wir drei grüne Haken setzen.

Das ist eine sehr gute Nachricht, insbesondere aufgrund des Gegenwinds, den wir gespürt haben. Ich denke an die Auswirkungen des Handelsstreits zwischen den USA und China. Oder auch an die weltweit extremen Klimabedingungen, die direkte Auswirkungen auf die Ernten unserer Kunden hatten – und damit auf uns.

Kurzum: Wir haben uns in einem schwierigen Umfeld sehr gut behauptet. Für Bayer ist dieser Abschluss, den wir heute vorlegen, ein wichtiges Zeichen für unsere operative Stärke und auch für unsere Verlässlichkeit.

Selbstverständlich werden wir auch unsere Aktionärinnen und Aktionäre an diesem Erfolg angemessen beteiligen. Wir schlagen daher der Hauptversammlung eine Dividende von 2,80 Euro pro Aktie vor. Die Ausschüttungsquote von rund 44 Prozent vom bereinigten Ergebnis pro Aktie liegt oberhalb des Zielkorridors von 30 bis 40 Prozent für die Ausschüttung der Dividende und berücksichtigt auch die erfolgreichen Portfoliomaßnahmen für unsere Eigentümer.

Damit kommen wir nun zu den Zahlen der Divisionen – und die wird Wolfgang vorstellen.
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REDE NICKL
(siehe separates Dokument)

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(Fortsetzung Rede Baumann)


Meine Damen und Herren,

wie Sie wissen war der Rechtskomplex um unseren Wirkstoff Glyphosat eines der prägenden Themen für Bayer im Jahr 2019, auch wenn wir es uns anders gewünscht hätten. Ich möchte hier kurz den Stand der Dinge zusammenfassen.


(2020-1500-4)

Glyphosat war und ist bei sachgemäßer Anwendung sicher. Das wird von führenden Regulierungsbehörden weltweit immer und immer wieder bestätigt.

Gerade im Januar 2020 hat die amerikanische Umweltschutzbehörde EPA das Ergebnis einer erneuten Sicherheitsbewertung von Glyphosat kommuniziert, basierend auf einem über zehn Jahre laufenden Bewertungsverfahren ihrer Experten. Im Ergebnis konnte die Behörde erneut – ich zitiere – „keinerlei Gesundheitsrisiken für den Menschen durch die Exposition gegenüber Glyphosat“ feststellen.

Die Zahl der Klagen im Zusammenhang mit Glyphosat ist in den vergangenen Monaten noch einmal gestiegen. Bis zum 6. Februar 2020 wurden uns in den USA die Klagen von etwa 48.600 Klägern zugestellt. Im Oktober vergangenen Jahres lag die Zahl bei etwa 42.700.

Wie Sie wissen, gibt es in Kalifornien drei Juryurteile, die in erster Instanz zugunsten der Kläger entschieden wurden. Keines dieser Urteile ist rechtskräftig. In allen drei Fällen befinden wir uns zurzeit im Berufungsverfahren. Zuletzt hat die US-Regierung im Rahmen einer Stellungnahme für eines der Verfahren wichtige Punkte unserer Argumentation ausdrücklich bekräftigt. Wir werden die drei Berufungsverfahren wie bereits erwähnt notfalls durch alle Instanzen betreiben.

Parallel zu dieser entschiedenen Verteidigung vor Gericht beteiligen wir uns weiterhin konstruktiv am laufenden Mediationsverfahren.

Über Inhalte, Zeitpunkte und die Höhe eines möglichen Vergleichs ist in den vergangenen Wochen viel spekuliert worden. Sie werden verstehen, dass wir uns an diesen Spekulationen nicht beteiligen. Die Parteien haben Stillschweigen über die Inhalte der Diskussionen vereinbart – und daran halten wir uns.

Beim Thema Rechtsfälle in den USA möchte ich auch kurz etwas zu Dicamba sagen. Wir sind mit dem vor etwa zwei Wochen ergangenen Jury-Urteil zu Dicamba nicht einverstanden und werden gegen diese Entscheidung jetzt zügig Rechtsmittel einlegen.

Selbstverständlich wissen wir bei Bayer sehr genau, was Ernteverluste für einen Landwirt bedeuten. In unserer Agrarsparte arbeiten zahlreiche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter jeden Tag daran, genau das zu verhindern.

Aber hier im konkreten Gerichtsverfahren wurden keinerlei qualifizierte Beweise vorgelegt, dass Dicamba auf der entsprechenden Farm überhaupt vorhanden oder für die Ernteverluste verantwortlich war. Entsprechend werden wir jetzt reagieren und Rechtsmittel einlegen.


(2020-1500-5)

Meine Damen und Herren,

ein Meilenstein des vergangenen Jahres bei Bayer war das Thema Nachhaltigkeit. Wir haben uns intensiv mit der Frage auseinandergesetzt: Was kann ein Unternehmen unserer Größe und unserer Relevanz in den für Menschen so zentralen Bereichen Gesundheit und Ernährung tun, um noch stärker als bisher zu einer nachhaltigeren Entwicklung beizutragen?

Konkrete Antworten haben wir im Dezember gegeben, als wir ein umfassendes Paket an Maßnahmen und ambitionierten Nachhaltigkeitszielen kommuniziert haben.

Dabei konnten wir auf einem sehr guten Fundament aufbauen. Gerade erst wieder hat uns das Carbon Disclosure Project beim Klima und auch beim Umgang mit Wasser mit ihrem höchsten Rating ausgezeichnet – als einziges Unternehmen im Dax.

Dennoch wissen wir, dass unsere Verantwortung als Unternehmen und gleichzeitig die gesellschaftlichen Erwartungen gestiegen sind. Deshalb haben wir Nachhaltigkeit zu einem strategischen Schwerpunkt von Bayer gemacht.

Dabei ist eine Sache ganz entscheidend: Ich werde gelegentlich gefragt, was uns dieser Fokus auf Nachhaltigkeit kostet. Die Antwort ist simpel: Wir haben vor, mit nachhaltigen Lösungen Geld zu verdienen.

Aus meiner Sicht muss das auch grundsätzlich der Weg sein: Der Wirtschaft muss es gelingen, grüne Ziele mit schwarzen Zahlen zu verbinden. Nur so kann die Transformation in eine nachhaltige Zukunft funktionieren.

Bayer kann dabei mehr als viele andere Unternehmen einen konkreten und messbar positiven Einfluss auf die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen nehmen, weil unser Geschäftsportfolio grundlegend auf Gesundheit und Ernährung ausgerichtet ist und wir in beiden Bereichen führende Geschäfte haben.

Deshalb sind unsere neuen Nachhaltigkeitsziele so konkret und ambitioniert:

- Bis 2030 wollen wir 100 Millionen Kleinbauern in Ländern mit geringen und mittleren Einkommen unterstützen, indem sie Zugang zu Innovationen, Wissen und Partnerschaften erhalten.

- Im gleichen Zeitraum wollen wir 100 Millionen Frauen in Ländern mit geringen und mittleren Einkommen Zugang zu einer verantwortungsvollen Familienplanung ermöglichen. Dafür wollen wir Hilfsprogramme finanziell unterstützen und die Versorgung mit modernen Verhütungsmitteln zu erschwinglichen Preisen sicherstellen.

- Zusätzlich wollen wir ebenfalls bis 2030 den Zugang zu Gesundheitsprodukten für den täglichen Gebrauch für 100 Millionen Menschen in unterversorgten Gebieten weltweit verbessern.

Unsere Nachhaltigkeitsziele treiben darüber hinaus den Klimaschutz voran:

- Wir haben uns das konkrete Ziel gesetzt, bis 2030 ein zu 100 Prozent klimaneutrales Unternehmen zu werden. Dafür investieren wir in Energieeffizienz und steigen auf Strom aus erneuerbaren Energien um. Die verbleibenden Emissionen werden wir gezielt so kompensieren, dass CO2 im Boden gespeichert und Biodiversität gefördert wird.

- Gleichzeitig arbeiten wir mit unseren Kunden und unseren Zulieferern entlang der gesamten Wertschöpfungskette, um ihre CO2 Emissionen zu senken und nachhaltige Lösungen zu etablieren. Vor allem Innovationen in der Landwirtschaft können aus unserer Sicht einen wichtigen Beitrag für eine nachhaltige Zukunft leisten.

Wir verfolgen unsere Nachhaltigkeitsziele mit dem gleichen Nachdruck wie unsere Finanzziele. Entsprechend werden wir der Hauptversammlung im April vorschlagen, die Nachhaltigkeitsziele in das Vergütungssystem des Vorstands zu integrieren.

Wir wollen einen Beitrag dazu leisten, die Ziele für nachhaltige Entwicklung zu erreichen, wie sie die Vereinten Nationen für 2030 festgelegt haben – insbesondere die Ziele, ein gesundes Leben für alle zu erreichen und den Hunger zu beenden. „Health for all, hunger for none”: So lautet unsere Vision bei Bayer.

Es ist das große und sicher auch ferne Ziel, für das wir arbeiten. Wir sind überzeugt, dass wir mit unserer wissenschaftlichen Expertise und unserer Innovationskraft dazu beitragen können, Krankheiten vorzubeugen oder sogar zu heilen, die alltägliche Gesundheit zu verbessern sowie die wachsende Weltbevölkerung zu ernähren und gleichzeitig nachhaltig zu wirtschaften. Dieser Gedanke soll unser Unternehmen in den kommenden Jahren prägen und antreiben.


(2020-1500-6)

Meine Damen und Herren,

damit komme ich nun zum Schluss.

Wolfgang Nickl und ich haben Ihnen aufgezeigt, dass wir im Geschäftsjahr 2019 unsere Versprechen gehalten haben. Unsere mehr als 100.000 Kolleginnen und Kollegen haben im vergangenen Jahr sehr hart gearbeitet, um die Erwartungen von unseren Aktionären und unseren gesellschaftlichen Stakeholdern zu erfüllen. Beides hat für uns höchste Bedeutung.

Auch 2020 und darüber hinaus wird man sich auf Bayer verlassen können. Wir sagen, was wir tun – und wir tun, was wir sagen.

- Das betrifft zuallererst unseren Fokus auf die Zufriedenheit unserer Kunden und Patienten. Denn daran werden wir zurecht jeden Tag gemessen

- Es betrifft die weitere Umsetzung unserer Portfolio-, Effizienz- und Strukturmaßnahmen mit Blick auf das Jahr 2022, inklusive der geplanten Synergien aus dem akquirierten Geschäft.

- Und es betrifft die weitere Verankerung von Nachhaltigkeit als integraler Bestandteil unserer Geschäfte sowie die weitere Stärkung unserer Innovations- und Wachstumskraft.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! Und jetzt freuen wir uns auf Ihre Fragen!

Zukunftsgerichtete Aussagen
Diese Presseinformation kann bestimmte in die Zukunft gerichtete Aussagen enthalten, die auf den gegenwärtigen Annahmen und Prognosen der Unternehmensleitung von Bayer beruhen. Verschiedene bekannte wie auch unbekannte Risiken, Ungewissheiten und andere Faktoren können dazu führen, dass die tatsächlichen Ergebnisse, die Finanzlage, die Entwicklung oder die Performance der Gesellschaft wesentlich von den hier gegebenen Einschätzungen abweichen. Diese Faktoren schließen diejenigen ein, die Bayer in veröffentlichten Berichten beschrieben hat. Diese Berichte stehen auf der Bayer-Webseite www.bayer.de zur Verfügung. Die Gesellschaft übernimmt keinerlei Verpflichtung, solche zukunftsgerichteten Aussagen fortzuschreiben und an zukünftige Ereignisse oder Entwicklungen anzupassen.

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