Donnerstag - 29. November 2018
Telefon-Pressekonferenz

Aus den Ausführungen von Werner Baumann

Vorsitzender des Vorstands der Bayer AG

(Es gilt das gesprochene Wort)


Meine Damen und Herren,

ich begrüße Sie sehr herzlich zu unserer Telefonkonferenz. Vielen Dank, dass Sie unserer kurzfristigen Einladung gefolgt sind.

Sie haben es sicher unserer Presseinformation entnommen: Der Aufsichtsrat der Bayer AG hat sich heute in einer außerordentlichen Sitzung mit einer Reihe von Maßnahmen befasst und beschlossen, die Pläne des Vorstands zu unterstützen.

Mit diesen Maßnahmen stellen wir unser Portfolio und unsere Organisation für die nächsten Jahre auf und stärken damit unsere Produktivität und Profitabilität auf nachhaltige Art und Weise.Wir wollen Ihnen heute die beschlossenen Maßnahmen erklären, die Hintergründe ausführen und stehen dann für Ihre Fragen zur Verfügung. Darüber hinaus werden wir in der kommenden Woche unseren Kapitalmarkttag in London abhalten, den Sie im Internet verfolgen können.

Bevor es weitergeht, lassen Sie mich eins klarstellen: Die heutigen Entscheidungen sind keine Reaktionen auf die kürzlich vollzogene Übernahme. Und erst recht nicht auf die Glyphosat-Klagen in den USA. Die heute beschlossenen Maßnahmen gehen weit über die Ziele hinaus, die wir uns im Rahmen der Integration gesetzt haben. Sie sind der richtige Schritt für unser Unternehmen. Damit sind wir als führendes Life-Science-Unternehmen über alle unsere Kerngeschäfte hinweg bestmöglich für die Zukunft aufgestellt.

Bevor ich zu den einzelnen Maßnahmen im Detail komme, will ich Ihnen erklären, was wir mit diesen Maßnahmen, die alle Bereiche des Unternehmens betreffen, erreichen wollen: Die Entscheidungen helfen dabei, uns noch konsequenter auf unsere führenden Life Science-Geschäfte zu konzentrieren.

Mit den beschlossenen Maßnahmen richten wir Bayer konsequent auf Innovationen aus und erhöhen unsere Produktivität. Wir wollen eine Mentalität fördern, die offen ist für externe Zusammenarbeit, moderne Technologien und den digitalen Wandel.

Wir werden die Effizienz unserer Strukturen verbessern, um künftig noch schneller auf die Ansprüche unserer Kunden reagieren zu können. Das wird uns helfen, auf aktuelle Marktentwicklungen wie das Entstehen neuer Technologien und neuer Wettbewerber einzugehen. Nicht zuletzt werden diese Maßnahmen unsere Kostenstruktur und unsere Ertragskraft deutlich steigern und damit unsere Wettbewerbsfähigkeit erhöhen.

Sie werden unseren Fokus auf unsere führenden Geschäfte in den Bereichen Gesundheit und Ernährung schärfen – zwei nachhaltig wachsende Märkte, die von globalen Megatrends bestimmt werden und uns die Chance bieten, zur Versorgung und Ernährung einer wachsenden und alternden Weltbevölkerung beizutragen.

Lassen Sie mich nun auf die Maßnahmen im Einzelnen eingehen, zunächst zum Portfolio.

Wir haben den Ausstieg aus unserem Animal-Health-Geschäft beschlossen und prüfen entsprechende Optionen. Das Geschäft in der Tiergesundheit ist gut positioniert und bietet Wachstumsoptionen in einem attraktiven Markt. Die dafür notwendigen Investitionen wollen wir jedoch für unsere Kerngeschäfte Pharmaceuticals, Consumer Health und Crop Science einsetzen. Aufgrund dieser Prioritäten innerhalb unseres Unternehmens sind wir davon überzeugt, dass Bayer nicht mehr der optimale Eigentümer für Animal Health ist.

Darüber hinaus prüfen wir im Rahmen eines umfassenden Programms bei unserer Division Consumer Health den Rückzug aus einzelnen Produktkategorien, die sich aus unserer Sicht außerhalb von Bayer besser entwickeln können. Dazu zählen neben dem bereits verkündeten Verkauf der rezeptpflichtigen Dermatologie-Produkte eine Trennung von den Produktlinien Coppertone™ im Bereich Sonnenschutz und Dr. Scholls™ im Bereich Fußpflege. Dies wird uns in die Lage versetzen, uns auf die Kernbereiche bei Consumer Health zu konzentrieren.

Zudem führen wir Gespräche zum Verkauf des 60-Prozent-Anteils am deutschen Standortdienstleister Currenta. Nach der erfolgreichen Trennung von Covestro ist ein Verkauf der Bayer-Anteile an Currenta ein logischer Schritt, weil unsere Nutzung der von Currenta erbrachten Dienstleistungen deutlich zurückgegangen ist. Currenta braucht eine Eigentümerstruktur, die eine langfristige operative Entwicklung unterstützt und trägt.

Wir wollen diese Portfolio-Maßnahmen im Laufe des Jahres 2019 vorantreiben.

Über die geplanten Portfolio-Veränderungen hinaus werden wir mit einer Reihe von Effizienz- und Strukturmaßnahmen auch unsere Produktivität und Profitabilität in allen Bereichen deutlich verbessern. Teile der frei werdenden Mittel werden wir in Innovation und Wachstum reinvestieren.

Die jüngsten sowie die anstehenden Veränderungen im Portfolio machen zudem deutliche Anpassungen der Querschnittsfunktionen und Services in Größe und Aufbau erforderlich. Dies führt zu einer deutlichen Verbesserung der Kostenposition und stärkt die Wettbewerbsfähigkeit von Bayer als Ganzes. Wir sind auch überzeugt, dass eine schlankere Organisation uns helfen wird, auf sich verändernde Märkte zu reagieren und unsere Agilität zu erhöhen.

Darüber hinaus wird der bereits erwähnte Turnaround-Plan bei Consumer Health auch eine strukturelle Reorganisation beinhalten, um effizienter zu werden und schneller auf veränderte Verbrauchergewohnheiten und Kundenwünsche reagieren zu können.

Anpassungen gibt es auch bei unserer Division Pharmaceuticals. Wie Sie wissen, hat unser Pharma-Geschäft in den vergangenen Jahren große Erfolge gefeiert, ist deutlich über Markt gewachsen, und diese Entwicklung wird nach unserer Überzeugung auch in den kommenden Jahren weiter anhalten. Das liegt vor allem an unseren Top-Produkten Xarelto™ und Eylea™.

Um auch in der Zukunft innovative Medikamente erfolgreich auf den Markt zu bringen, werden wir neben der erfolgreichen Weiterentwicklung unserer Forschungs- und Entwicklungspipeline künftig verstärkt in gemeinsame Forschung mit Partnern und externe Innovationen investieren sowie unsere interne Forschung entsprechend umstrukturieren. Unser künftiges Innovationsmodell bei Pharmaceuticals wird dem Grundsatz folgen: Es ist nicht so wichtig, wo gute Ideen entstehen, sondern wie wir sie zum Wohl unserer Kunden und Patienten umsetzen können.

Erst in dieser Woche haben wir mit der FDA-Zulassung für unser neues Krebsmedikament Vitrakvi™ einen wichtigen Beleg für erfolgreiche Innovationen durch externe Kooperationen gesehen. Genau so wollen wir weitermachen.

Darüber hinaus hat im Bereich der Hämophilie die Einführung mehrerer neuer Produkte dazu geführt, dass sich der Wettbewerb signifikant verschärft hat. Um in der Hämophilie wettbewerbsfähig zu bleiben, haben wir entschieden, die Herstellung aller rekombinanten Faktor-VIII-Produkte auf den Standort Berkeley (USA) zu konzentrieren. Das bedeutet zugleich, dass wir den in Wuppertal (Deutschland) gebauten Faktor-VIII-Betrieb nicht nutzen werden.

Im Rahmen der geplanten Effizienz- und Strukturmaßnahmen rechnen wir mit Beiträgen von 2,6 Milliarden Euro ab 2022. Darin enthalten sind, wie bereits kommuniziert, Synergien von 1 Milliarde Euro (1,2 Milliarden US-Dollar) aus der Integration bei Crop Science. Einen Teil der Beiträge werden wir in unser Kerngeschäft reinvestieren. Insgesamt planen wir, innerhalb der kommenden vier Jahre, 35 Milliarden Euro in Forschung und Entwicklung sowie in Sachanlagen zu investieren.

Insgesamt erwarten wir Einmalkosten für diese Maßnahmen, die im Bereich des
1,7-Fachen der jährlichen Beiträge liegen werden. Für das bereinigte Ergebnis je Aktie erwarten wir einen Anstieg um 1 Euro auf 6,80 Euro im Jahr 2019. In den Folgejahren soll das bereinigte Ergebnis je Aktie auf rund 10 Euro im Jahr 2022 ansteigen. Die EBITDA-Marge vor Sondereinflüssen des Bayer-Konzerns soll bis 2022 auf mehr als 30 Prozent zulegen.

Die Effizienz- und Strukturmaßnahmen gehen einher mit dem geplanten Abbau von weltweit etwa 12.000 Arbeitsplätzen bis Ende 2021. Details dazu werden in den nächsten Monaten ausgearbeitet. Ein signifikanter Anteil der Stellen wird in Deutschland wegfallen. Wir sind dazu in engem Austausch mit den Arbeitnehmervertretern und haben uns auf eine Gemeinsame Erklärung für die deutschen Beschäftigten verständigt. Eine genaue Auflistung, wie sich die 12.000 Arbeitsplätze auf unterschiedliche Projekte und Divisionen verteilen, finden Sie in unserer Pressemitteilung.

Wir sind uns der Tragweite der Entscheidungen für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bewusst und werden die geplanten Maßnahmen – wie in der Vergangenheit – fair und verantwortungsvoll umsetzen.

Bevor wir zu Ihren Fragen kommen, lassen Sie mich noch einmal kurz zusammenfassen, warum wir diese Schritte unternehmen und wie wir uns für die Zukunft aufstellen.

Erstens: Wir konzentrieren uns auf unsere Kerngeschäfte Pharmaceuticals, Consumer Health und Crop Science.

Zweitens: Die Veränderungen der vergangenen Jahre sowie die Veränderungen, die jetzt kommen werden, erfordern strukturelle Anpassungen in Größe und Aufbau der Organisation, die wir nun vollziehen.

Drittens: Wir reagieren auf ein verändertes Marktumfeld und eine veränderte Marktdynamik, die auch alle unsere Wettbewerber spüren. Deshalb verbessern auch wir unsere Kostenstruktur, stärken unsere Wettbewerbsfähigkeit und arbeiten an unserer Innovationskraft, die Bayer immer ausgezeichnet hat.

Mit diesen Maßnahmen stellen wir unser Unternehmen bestmöglich für die Zukunft auf. Wir werden in Zukunft noch schlagkräftiger und agiler sein. Wir setzen damit die Entwicklung zu einem Life-Science-Unternehmen konsequent fort und richten unsere Kerngeschäfte und unsere Organisation darauf aus, Wert für alle unsere Stakeholder zu schaffen.

Vielen Dank! Und jetzt freue mich auf Ihre Fragen.

Zukunftsgerichtete Aussagen
Diese Presse-Information enthält zukunftsgerichtete Aussagen. Eine zukunftsgerichtete Aussage ist jede Aussage, die sich nicht auf historische Fakten und Ereignisse bezieht, sondern die Bayers aktuelle Einschätzungen, Erwartungen und Annahmen im Hinblick auf die Zukunft wiedergeben. Das gilt insbesondere für Aussagen in dieser Presse-Information über Umsatzwachstum, einschließlich Produkteinführungen und Spitzenumsatzpotenzial, Synergien, besonders bezüglich der Akquisition und Integration der Monsanto Company, Anpassungen des Portfolios, Kostenreduzierung, Finanzziele und Erträge, Cashflow, Schuldenabbau und ähnliche Aussagen über zukünftige Leistungen, auch hinsichtlich der Märkte, in denen Bayer aktiv ist.
Obwohl die zukunftsgerichteten Aussagen in dieser Presse-Information auf Annahmen beruhen, die das Bayer-Management für angemessen hält, beinhalten sie notwendigerweise bekannte und unbekannte Risiken und Unsicherheiten, auf Grund derer die tatsächlichen Ergebnisse und zukünftigen Ereignisse wesentlich abweichen könnten von den in den Aussagen angenommenen Ergebnissen und zukünftigen Ereignissen. Zukunftsgerichtete Aussagen sind keine Garantien künftiger Leistungen, und ihnen sollte keine unangemessene Bedeutung beigemessen werden. Sofern wertpapierrechtlich nicht vorgeschrieben, übernimmt Bayer keine Verpflichtung, zukunftsgerichtete Aussagen zu aktualisieren, wenn sich die Umstände oder die Einschätzungen des Managements ändern sollten.
Für weitere Informationen über Faktoren, auf Grund derer tatsächliche Ergebnisse und zukünftige Ereignisse von den in zukunftsgerichteten Aussagen angenommenen abweichen könnten, verweisen wir auf die in Bayers öffentlichen Berichten diskutierten Faktoren, einschließlich des Abschnitts „Prognose-, Chancen- und Risikobericht“ im Geschäftsbericht 2017. Die Berichte sind verfügbar auf Bayers Website unter https://www.investor.bayer.de/de/berichte/geschaeftsberichte/uebersicht.

Download Center
0
Datei(en) gesammelt

Download Center öffnen