Freitag - 26. April 2019
Hauptversammlung

Aus den Ausführungen von Werner Baumann

Vorsitzender des Vorstands der Bayer AG

(Es gilt das gesprochene Wort)


Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Aktionärinnen und Aktionäre,

auch von meiner Seite einen schönen guten Morgen und herzlich willkommen in Bonn. Im Namen des gesamten Vorstands begrüße ich Sie sehr herzlich zu unserer Hauptversammlung.

Dies ist eine besondere Hauptversammlung, weil wir auf ein schwieriges Jahr zurückblicken. Ein Jahr, in dem wir auf der einen Seite operativ wie strategisch viel erreicht und hart dafür gearbeitet haben. Auf der anderen Seite hat Bayer, und damit Sie, verehrte Aktionärinnen und Aktionäre, erhebliche Verluste im Aktienkurs hinnehmen müssen. Da gibt es nichts zu beschönigen. Die Klagen und die ersten Urteile zu Glyphosat lasten schwer auf unserem Unternehmen und verunsichern
viele Menschen.

Mir ist es daher ein Anliegen, auf die Fragen, die sicherlich auch Sie im Saal sich stellen, direkt zu Anfang meines Vortrages einzugehen:
- Ist die Strategie des Unternehmens solide und nachhaltig?
- War der Erwerb von Monsanto der richtige Schritt für Bayer?
- Hat der Vorstand dabei pflichtgemäß gehandelt und die Risiken von Glyphosat
sorgfältig geprüft?
- Ist Glyphosat ein sicheres Produkt?
- Wie bewerten Sie die Klagen wegen Glyphosat?
- Wie ist Bayer für die Zukunft aufgestellt?
- Wie übersetzt sich die Strategie ins operative Geschäft?
- Und wann werden die Aktionäre davon profitieren?

Beginnen möchte ich mit der Frage nach der Strategie unseres Unternehmens. Wir haben unsere Geschäfte in den vergangenen Jahren konsequent an langfristigen Wachstumstrends in attraktiven Märkten ausgerichtet und damit Bayer zu einem fokussierten, wachstums- und ertragsstarken Unternehmen entwickelt.

Als führendes Life-Science-Unternehmen für Gesundheit und Ernährung können wir heute wie kaum ein anderes Unternehmen zur Lösung einiger der größten gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit beitragen. Nicht umsonst zählen die Bekämpfung von Hunger und die Verbesserung der Gesundheitsversorgung auch zu den wesentlichen nachhaltigen Entwicklungszielen der Vereinten Nationen.

Vorstand und Aufsichtsrat sind davon überzeugt, dass diese Ausrichtung für die wirtschaftliche Attraktivität von Bayer genauso richtig ist wie für den umfassenden gesellschaftlichen Beitrag unseres Unternehmens.

Wir haben diese Strategie in den vergangenen Jahren konsequent weiterentwickelt und damit bekräftigt, dass dies der richtige Weg für Bayer ist. Diese Strategie ist unser Kompass, der uns auch in schwierigen Phasen die Richtung weist.



Ich möchte Ihnen einige Meilensteine nennen, die wir auf dem Weg zu einem führenden Life-Science-Unternehmen in den vergangenen Jahren erreicht haben.

Neben den wichtigen und sehr erfolgreichen Akquisitionen des Agrargeschäfts von Aventis im Jahr 2001, des OTC-Geschäfts von Roche im Jahr 2004 und auch der Schering AG im Jahr 2006 haben wir auch in den vergangenen Jahren weitere entscheidende und meist wertschaffende Übernahmen umgesetzt. Zu nennen sind hier unter anderem der Erwerb von Algeta und Steigerwald oder auch die erfolgreiche Sicherung von Entwicklungs- und Vertriebsrechten für Produkte wie Eylea™ und – ganz aktuell – Vitrakvi™.

Klar ist aber auch, dass nicht jede Akquisition unsere und – meine Damen und Herren – Ihre Erwartungen erfüllt hat. Zu nennen ist hier vor allem der Erwerb des Consumer-Care-Geschäfts von Merck & Co. im Jahr 2014. Ebenfalls im Jahr 2014 haben wir die Trennung von unserem Material-Science-Geschäft, der heutigen Covestro, bekannt gegeben. Wir haben mit der Verselbstständigung von Covestro die Entstehung eines erfolgreichen und in Nordrhein-Westfalen beheimateten DAX-Unternehmens wesentlich mitgestaltet.

Gleichzeitig haben wir damit Bayer finanziell und strategisch gestärkt. Bis heute haben wir uns fast vollständig von unseren Covestro-Anteilen getrennt, für einen Durchschnittspreis von rund 73 Euro je Aktie. Angesichts des ursprünglichen Ausgabekurses von 24 Euro je Aktie und auch des derzeitigen Kursniveaus von etwas über 50 Euro ist das ein sehr gutes Ergebnis.

Insgesamt konnten wir mit der Veräußerung der Covestro-Anteile Erlöse in Höhe von mehr als neun Milliarden Euro realisieren, beziehungsweise 15 Milliarden Euro unter Berücksichtigung der übertragenen Schulden, weil wir mit gründlicher Analyse, Weitblick und gutem Timing agiert haben. Nicht zuletzt deshalb konnten wir die Finanzierung des Monsanto-Erwerbs mit deutlich weniger Eigenkapital als ursprünglich geplant bewältigen.

Damit kommen wir zu der zweiten Frage, die mir oft gestellt wird: War der Erwerb von Monsanto der richtige Schritt für Bayer?



Wir haben den Erwerb von Monsanto nach langer, sehr sorgfältiger Vorbereitung im September 2016 unterzeichnet und konnten diesen im August 2018 nach intensiver Prüfung der weltweiten Kartellbehörden abschließen. Seither läuft die Integration in unser Unternehmen – und das aufgrund der sehr gründlichen Planung schneller als geplant und insgesamt erfolgreich.

Ich werde später noch ausführen, wie das erworbene Geschäft bereits 2018 und vor allem auch zu Beginn dieses Jahres zu unserem operativen Ergebnis beigetragen hat. Aber zunächst soll es hier um eine Einordnung gehen, warum diese Transaktion aus strategischen Gründen richtig war.

Dafür will ich Sie kurz mit zurücknehmen in die Zeit vor der Kaufentscheidung, um Ihnen zu erläutern, nach welchen Kriterien wir diese Entscheidung getroffen haben.

Die Entwicklung unserer Geschäfte orientiert sich am langfristigen Wachstumspotenzial einer Branche, ebenso an der Marktprofitabilität, den Eintrittsbarrieren für Konkurrenten und der Frage, ob der Markterfolg durch Innovationen getrieben wird.

Weitere Kriterien sind, ob wir führende Wettbewerbspositionen erreichen können und natürlich ob die Geschäfte zu unseren Kernkompetenzen und zu unseren Werten passen und uns als die besten Betreiber der Geschäfte qualifizieren. Anhand dieser Kriterien haben wir lange vor der Übernahme von Monsanto den Agrarsektor analysiert und sind zu der Überzeugung gelangt, dass die Pflanzenschutz- und Saatgutindustrie diese Kriterien wie kaum eine andere Branche erfüllt.

Gleichzeitig hatte sich Bayer inzwischen zum führenden Unternehmen im chemischen Pflanzenschutz entwickelt: Wir waren im Durchschnitt der zurückliegenden zehn Jahre über dem Markt gewachsen, hatten Marktanteile dazugewonnen und wurden – damals wie heute – für unsere führende Chemie-Expertise weltweit geschätzt.

Aus dieser Position der Stärke heraus und nach intensiver Analyse der Branche haben wir entschieden, uns an der Neuordnung der Agrarindustrie aktiv zu beteiligen. Das war im Jahr 2015, als die Konsolidierung angelaufen war. Inzwischen hat die Konsolidierung die Aufstellung der Branche entscheidend verändert – wahrscheinlich für die nächsten Jahrzehnte.

Als Folge der Monsanto-Übernahme ist Bayer heute das führende Unternehmen im Agrarbereich. Unsere Technologiebasis ist einzigartig. Wir haben führende Geschäfte im chemischen und biologischen Pflanzenschutz, im traditionellen und biotechnologischen Saatgut und genauso in der digitalen Landwirtschaft.

Wir sind schon heute profitabler als unsere direkten Wettbewerber. Wir haben die richtigen Leute und eine hervorragende regionale Aufstellung. Damit können wir unsere Ertragskraft weiter steigern und in den nächsten Jahren schneller wachsen als der Markt.

Wir sind darüber hinaus wie kein anderes Unternehmen in der Lage, mit unserer Innovationskraft zu einer nachhaltigeren Landwirtschaft beizutragen und gleichzeitig eine ausreichende und gesunde Ernährung sicherzustellen.

Wir bekennen uns zu dieser Herausforderung der modernen Landwirtschaft, dass wir Erträge steigern müssen, aber gleichzeitig den Einsatz von Ressourcen – auch von Pestiziden und Düngemitteln – zurückfahren müssen. Eine solche nachhaltige Intensivierung kann nur mit Innovationen gelingen. Daran arbeiten wir und dafür sind wir nun in der neuen Konstellation bestens aufgestellt.

Darüber hinaus lohnt sich die Transaktion finanziell. Wir konnten mit den geforderten Kartellverkäufen an die BASF einen attraktiven Kaufpreis in Höhe von 7,3 Milliarden Euro und einen Gewinn von 4,0 Milliarden Euro realisieren. Auch wenn der Umfang der Verkäufe höher war als erwartet und die Synergien reduziert hat, werden wir aus der Übernahme von Monsanto ab 2022 Synergien in Höhe von jährlich einer Milliarde Euro realisieren.

Wir werden alle bereits im Jahr 2016 kommunizierten Margenziele und auch die Ziele für die Kapitalverzinsung erreichen. Das gelingt uns mit einer Kapitalerhöhung, die kleiner ausfiel als angekündigt, und einer Finanzverschuldung, die inzwischen deutlich geringer ist als ursprünglich erwartet.

Für 2019 erwarten wir aus dem erworbenen Geschäft bereits einen positiven Beitrag zum bereinigten Ergebnis je Aktie. Ab 2021 soll dieser Beitrag im zweistelligen Prozentbereich liegen.

Aus allen diesen Gründen – der hervorragenden Aufstellung unserer Geschäfte, dem großen Potenzial für unsere Kunden, den Möglichkeiten für eine nachhaltigere Landwirtschaft sowie auch im Hinblick auf die wirtschaftliche Logik – war und ist der Erwerb von Monsanto der richtige Schritt für Bayer. Davon sind wir nach wie vor fest überzeugt. Und das gilt auch vor dem Hintergrund der Diskussion um Glyphosat, auf die ich gleich noch ausführlich eingehen werde.

Auch viele Aktionäre, mit denen ich spreche, sind vom Potenzial unseres neuen Geschäfts bei Crop Science überzeugt. Aber sie sorgen sich auch um die Risiken. Darauf möchte ich nun zu sprechen kommen. Auf die Frage: Wurden die Risiken von Glyphosat sorgfältig geprüft und hat der Vorstand dabei pflichtgemäß gehandelt?



Der Vorstand hat sich vor Abschluss der Übernahmevereinbarung mit Monsanto im September 2016 sehr eingehend und in zahlreichen Sitzungen mit den Chancen und Risiken der Transaktion auseinandergesetzt und diese sorgfältig abgewogen. Dabei wurden selbstverständlich auch die Risiken geprüft, die mit dem Glyphosat-Geschäft verbunden sind.

Grundlage für diese Prüfung waren erstens öffentlich verfügbare Dokumente der Regulierungsbehörden, die Bayer intern analysiert hat, zweitens Aussagen und Dokumente, die Monsanto im Rahmen der Due Diligence zur Verfügung gestellt hat. Und drittens ein vor Abschluss der Übernahmevereinbarung erstelltes, ausführliches und regelmäßig aktualisiertes externes Gutachten einer renommierten Anwaltskanzlei zu den rechtlichen Risiken im Zusammenhang mit Glyphosat, das Bayer in Auftrag gegeben hatte.

Basierend auf all diesen Informationen hat der Vorstand das Haftungsrisiko im Zusammenhang mit Glyphosat als gering bewertet. Dabei hat der Vorstand in jeder Hinsicht pflichtgemäß gehandelt. Zu dieser Einschätzung kommt ein externes Gutachten der renommierten Anwaltskanzlei Linklaters, das der Aufsichtsrat im September 2018, also unmittelbar nach der ersten Jury-Entscheidung im Fall Johnson, in Auftrag gegeben hat.
Ein zweites unabhängiges Gutachten von Herrn Professor Habersack von der Universität München aus dem Frühjahr 2019 bestätigt diese Einschätzung noch einmal.

Lassen Sie mich an dieser Stelle betonen: Wir waren damals – genau wie heute – davon überzeugt, dass Glyphosat bei sachgerechter Anwendung ein sicheres Produkt ist. Diese Sicht stützt sich auf die Wissenschaft und auf die praktische Erfahrung der Landwirtschaft seit mehr als 40 Jahren.



Ganz unabhängig von Glyphosat gilt, dass Zulassungs- und Regulierungsbehörden auf der ganzen Welt Produkte wissenschaftlich prüfen. Diese Behörden tragen die Verantwortung für die Gesundheit ihrer Bevölkerung. Deshalb untersuchen und analysieren sie laufend Produkte auf die Frage hin, ob eine Gefährdung für Menschen vorliegt.

Regulierungsbehörden weltweit haben Glyphosat-basierte Produkte zugelassen und die Registrierungen immer wieder verlängert – und das über Jahrzehnte hinweg.

Dann hat 2015 die Internationale Agentur für Krebsforschung – die IARC – Glyphosat als „wahrscheinlich krebserregend“ eingestuft. Dabei wurde nicht das tatsächliche Risiko einer Exposition mit Glyphosat unter realen Bedingungen bewertet, sondern nur das allgemeine Gefährdungspotenzial. Zudem wurden keine eigenen Studien durchgeführt.

Dennoch haben die großen Regulierungsbehörden reagiert, indem sie die IARC-Bewertung von Glyphosat zum Anlass für eine erneute gründliche Untersuchung genommen haben.

Das kanadische Gesundheitsministerium zum Beispiel hat zur Gewährleistung maximaler Objektivität 20 bisher nicht in die Bewertung von Glyphosat involvierte Wissenschaftler beauftragt, alle verfügbaren Unterlagen nochmals zu überprüfen. Dazu zählten auch interne Dokumente von Monsanto, aus denen sich ergeben soll, dass Monsanto in unzulässiger Weise auf wissenschaftliche Publikationen Einfluss genommen habe. Nach eigenem Bekunden des kanadischen Gesundheitsministeriums haben die Wissenschaftler – ich zitiere: „Jeden Stein umgedreht“ (Zitat Ende) – und die Sicherheit von Glyphosat erneut bestätigt.

Das im Januar 2019 publizierte Fazit des kanadischen Gesundheitsministeriums verneinte klar und eindeutig das Vorhandensein eines Krebsrisikos für den Menschen und nahm dabei auch Bezug auf die Bewertung anderer maßgeblicher internationaler Behörden, die diese Einschätzung ebenfalls teilen. Deutlicher geht es nicht.

Die Klägeranwälte in den USA behaupten zu Unrecht, dass Glyphosat-basierte Produkte krebserregend seien und dass Monsanto seine Kunden wissentlich diesem Risiko ausgesetzt habe.

Das sind geradezu unglaubliche Vorwürfe. Vorwürfe, die unsere neuen Kolleginnen und Kollegen zutiefst treffen. Ich habe in den vergangenen Monaten mit vielen von ihnen gesprochen. Das sind Mütter, Väter, Menschen, die sich für die Gesellschaft engagieren.

Von einer dieser Begegnungen möchte ich Ihnen berichten: Vor einigen Monaten war ich mit einem unserer neuen Kollegen eine ganze Woche lang in den USA unterwegs. Er erzählte mir, dass er seit mehr als 35 Jahren für Landwirte weltweit im Einsatz ist, und genauso lange verkauft er diesen Landwirten Glyphosat. Viele seiner Kunden und deren Familien sind über die lange Zeit hinweg zu persönlichen Freunden geworden. Er wird regelmäßig zu Familienfeiern eingeladen, etwa zu den Hochzeiten der Kinder.

Er sagte mir, dass es für ihn unvorstellbar sei, wie Leute glauben könnten, dass er Kunden und Freunde wissentlich einem erhöhten Gesundheits- oder gar Krebsrisiko aussetzen würde. Wörtlich sagte der Kollege zu mir: „Was glauben diese Leute eigentlich, was für Menschen wir sind?“ Ich denke, dem ist nichts hinzuzufügen.

Wir sind nach wie vor von der Sicherheit von Glyphosat überzeugt. Gleichzeitig wissen wir auch um die immense Bedeutung von Glyphosat für die weltweite Nahrungsversorgung sowie für eine nachhaltige Landwirtschaft mit weniger Flächenverbrauch, weniger Bodenerosion und weniger Freisetzung von Kohlendioxid.

Landwirte auf der ganzen Welt setzen Glyphosat verantwortungsvoll ein, um Ernten zu schützen und Menschen zu ernähren. Aus diesen Gründen werden wir auch im Namen unserer Kunden Glyphosat weiterhin entschieden verteidigen.

Dennoch müssen wir feststellen, dass unsere Einschätzung sowie die Einschätzung der Regulierungsbehörden in den ersten beiden erstinstanzlichen Jury-Urteilen in den USA nicht geteilt wurden. Dies hat 2018 trotz einer zufriedenstellenden operativen Entwicklung zu erheblichen Belastungen in der Kursentwicklung unseres Unternehmens geführt.



Im Verlauf des Jahres 2018 verlor unsere Aktie etwa 40 Prozent an Wert. Seit dem Urteil im Fall Johnson am 10. August 2018 haben wir eindeutige Kursreaktionen auf die Entwicklungen im Rechtskomplex um Glyphosat gesehen. Das ist enttäuschend und schmerzt sehr, für Sie als Aktionärinnen und Aktionäre genauso wie für uns als verantwortliches Management.

So übertrieben die Kursreaktionen sind und so wenig sich unserer Ansicht nach der wahre Wert unseres Unternehmens im aktuellen Kurs widerspiegelt, so verständlich ist auf der anderen Seite die Verunsicherung. Die Zahl der Produkthaftungsklagen wegen Glyphosat in den USA ist zum Stichtag 11. April auf inzwischen 13.400 angestiegen. Diese Zahl haben wir gestern bekannt gegeben.

Die Zahl kommt für uns nicht überraschend und sie lässt keine Aussage darüber zu, ob die geltend gemachten Vorwürfe begründet sind oder nicht. Darüber hinaus ist wichtig zu betonen, dass wir zum aktuellen Zeitpunkt noch kein einziges rechtskräftiges Gerichtsurteil zu Glyphosat haben. Was wir haben, sind zwei Jury-Entscheidungen in erster Instanz. Gegen die erste Entscheidung im Fall von Dewayne Johnson haben wir Berufung eingelegt. Gegen die zweite Entscheidung im Fall von Edwin Hardeman werden wir ebenfalls Rechtsmittel einlegen.

Wir haben großes Mitgefühl mit Herrn Johnson, Herrn Hardeman und ihren Familien, aber Glyphosat-basierte Produkte sind nicht der Grund für ihre schweren Erkrankungen. Wir sind nach wie vor optimistisch, dass in der nächsten Instanz andere Entscheidungen getroffen werden.

Dieses Thema hat für den Vorstand und auch mich persönlich höchste Priorität. Wir arbeiten mit Hochdruck daran, uns in Berufungsverfahren und den kommenden Gerichtsverhandlungen erfolgreich zu verteidigen. Unsere Anwälte arbeiten intensiv mit den involvierten externen Kanzleien an einer stetigen Weiterentwicklung unserer Verteidigungsstrategie sowie an der Steuerung der laufenden Fälle. Wir sind zuversichtlich, damit auf mittlere Sicht auch die Unsicherheit im Hinblick auf den Ausgang dieses Haftungskomplexes zu reduzieren.



Meine Damen und Herren, die bisherigen Antworten, die ich gegeben habe, bezogen sich auf die strategische Entwicklung, auf die Ausrichtung unserer Geschäfte oder auf die Gründe, warum wir uns für den Kauf von Monsanto entschieden haben.

Jetzt soll es um das operative Geschäft gehen: Ich will Ihnen zeigen, wie Bayer für die Zukunft aufgestellt ist und was unser gemeinsames Unternehmen ausmacht.

Bayer steht weltweit für Qualität, Transparenz und Vertrauen. Diese Reputation entspricht unserem Anspruch als führendes Life-Science-Unternehmen und ist zugleich ein Ansporn für die Zukunft.

Das gilt natürlich auch für das kombinierte Crop-Science-Geschäft, das wir – genau wie alle unsere Geschäfte – nach den Bayer-Maßstäben führen. Ohne Wenn und Aber. Genau, wie ich das seit 2016 mehrfach sehr klar und unmissverständlich gesagt habe.

Dies gilt auch und vor allem, wenn es um die Sicherheit unserer Produkte geht. Um es ganz klar zu sagen: Die Sicherheit unserer Kunden, Patienten und Konsumenten steht für uns alle bei Bayer immer und überall an erster Stelle.

Unsere Geschäfte sind darauf ausgerichtet, zur weltweiten Ernährung mit ausreichenden und hochwertigen Lebensmitteln beizutragen und gleichzeitig das Leben der Menschen mit neuen Medikamenten zu verbessern oder sogar an der möglichen Heilung chronischer Krankheiten mitzuwirken.

Dafür ist Bayer sehr gut aufgestellt. Dafür behaupten wir uns mit unseren Kompetenzen und unserer Erfahrung im Wettbewerb mit den besten Unternehmen der Welt.

Über unser führendes Portfolio für Saatgut, Pflanzenschutz und digitale Landwirtschaft bei Crop Science habe ich bereits gesprochen.

Im Bereich Consumer Health sind wir eines der führenden Unternehmen weltweit in dem attraktiven Markt für rezeptfreie Gesundheitsprodukte. Wir haben starke Marken, eine starke Mannschaft sowie die Kraft und Reputation des Bayer-Kreuzes.

Wir verfügen dort über ein Portfolio von 16 großen Marken mit einem Jahresumsatz von mehr als 100 Millionen Euro, darunter mit Aspirin™ eine der bekanntesten und vertrauenswürdigsten Gesundheitsmarken überhaupt. Mit unserem Pharmageschäft sind wir eines der am schnellsten wachsenden Pharma-Unternehmen der vergangenen fünf Jahre. Gleichzeitig haben wir bei weiter steigenden Forschungs- und Entwicklungsinvestitionen unsere Rentabilität deutlich gesteigert.

Wir sind Marktführer in den Bereichen Frauengesundheit und Radiologie. Im Bereich Herz-Kreislauf-Erkrankungen gehören wir ebenfalls zu den führenden Anbietern. Und unsere Top-Produkte Xarelto™ und Eylea™ zählen zu den erfolgreichsten und größten Produkten in ihren jeweiligen Therapiegebieten.

Xarelto™ ist sogar inzwischen das viertgrößte verschreibungspflichtige Produkt in der gesamten Pharmaindustrie. Im Wachstumsmarkt China gehört Bayer zu den drei führenden internationalen pharmazeutischen Unternehmen. Aus dieser Position heraus haben wir auch im Bereich Gesundheit die besten Voraussetzungen, um im Sinne unserer Konsumenten und Patienten weiter erfolgreich zu sein und langfristig zu wachsen.

Meine Damen und Herren, der wichtigste Grund, warum unser Unternehmen gut für die Zukunft aufgestellt ist, sind natürlich unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Insgesamt arbeiten bei Bayer rund 120.000 Kolleginnen und Kollegen, verteilt auf 90 Länder auf allen Kontinenten. Sie repräsentieren und verkörpern die Werte von Bayer. Sie setzen sich jeden Tag für das Wohl unserer Kunden ein. Mit ihrem großartigen und oftmals weit überdurchschnittlichen Einsatz hatten unsere Kolleginnen und Kollegen auch maßgeblichen Anteil am Erreichen unserer operativen Ziele im vergangenen Jahr.

Dafür möchte ich unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Namen des gesamten Vorstands und sicher auch in Ihrer aller Namen ausdrücklich Danke sagen.Lassen Sie mich damit zum operativen Geschäft kommen.



Der Bayer-Konzern erzielte 2018 einen Umsatz von 39,6 Milliarden Euro. Bereinigt um Währungseinflüsse und Portfolioveränderungen entspricht das einem Plus von 4,5 Prozent. Bitte beachten Sie: Beim Umsatz werde ich immer von währungs- und portfoliobereinigten Veränderungen sprechen.

Das um Sondereinflüsse bereinigte EBITDA – also das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen – stieg um 2,8 Prozent auf 9,5 Milliarden Euro. Dabei belasteten Währungseffekte das Ergebnis mit fast einer halben Milliarde Euro.

Das bereinigte Ergebnis je Aktie lag mit 5,94 Euro wie erwartet unter dem Vorjahr. Das hatte mit Monsanto zu tun, etwa damit, dass nur die Umsatz- und Ergebnisbeiträge im saisonal schwächeren zweiten Halbjahr einbezogen werden konnten. Hinzu kommt, dass unter anderem durch die Eigenkapitalmaßnahmen die Zahl der Aktien gestiegen ist.

Mit diesen Werten für Umsatz, EBITDA und Ergebnis je Aktie haben wir gemessen an unserer aktualisierten Prognose vom September die operativen Ziele für 2018 erreicht. Das bereinigte Ergebnis je Aktie lag sogar leicht über der Erwartung.

Liebe Aktionärinnen und Aktionäre, wir wollen Sie auch in diesem Jahr am Erfolg von Bayer beteiligen. Wir haben daher der Hauptversammlung eine Dividende von 2,80 Euro pro Aktie vorgeschlagen. Aufgrund der höheren Aktienzahl ist dies insgesamt eine neue Rekordausschüttung für unser Unternehmen.

Damit setzen wir den Weg fort, den wir eingeschlagen haben. Die sehr gute Entwicklung der vergangenen Jahre hat auch dazu beigetragen, dass wir unsere Dividendenzahlungen erheblich steigern konnten und Sie, verehrte Aktionärinnen und Aktionäre, beteiligen konnten. Seit 2010 haben wir unsere Dividende von 1,50 Euro auf 2,80 Euro beinahe verdoppelt, was einer jährlichen Erhöhung der Dividendenzahlungen um 10 Prozent entspricht.



Kommen wir nun zur Geschäftsentwicklung der einzelnen Divisionen und beginnen mit Pharmaceuticals.

In unserem Geschäft mit verschreibungspflichtigen Arzneimitteln stieg der Umsatz um 3,4 Prozent auf 16,7 Milliarden Euro. Maßgeblich dafür waren deutliche Zuwächse in China sowie erneut die starke Entwicklung unserer Top-Produkte Xarelto™ und Eylea™.

Das Geschäft mit Xarelto™ konnten wir insbesondere in Europa, China und Kanada deutlich ausweiten. Insgesamt wuchs der Umsatz um 12,8 Prozent. Den Umsatz mit Eylea™ konnten wir sogar um 19,6 Prozent steigern, insbesondere durch einen höheren Absatz in Europa, Kanada und Japan.

Das EBITDA vor Sondereinflüssen von Pharmaceuticals verringerte sich 2018 um 2,0 Prozent auf 5,6 Milliarden Euro. Rechnet man jedoch die negativen Währungseffekte von 256 Millionen Euro heraus, ergibt sich ein Plus von 2,5 Prozent.



Damit komme ich zu Consumer Health. Für unser Geschäft mit rezeptfreien Arzneimitteln war 2018 erneut ein schwieriges Jahr. Der Umsatz lag mit 5,5 Milliarden Euro auf dem Niveau des Vorjahres. Positiv entwickelte sich das Geschäft in den Regionen Lateinamerika und Asien / Pazifik. In Nordamerika sowie Europa / Nahost / Afrika gingen unsere Umsätze dagegen zurück.

Auch bei dem umsatzstärksten Produkt von Consumer Health, dem Allergiemittel Claritin™, verzeichneten wir geringere Umsätze. Dies betraf vor allem den Hauptabsatzmarkt USA.

Der Umsatz mit unserem bekanntesten Produkt Aspirin™ war ebenfalls rückläufig. Zusammen mit dem bei Pharmaceuticals ausgewiesenen Geschäft mit Aspirin™ Cardio lag der Umsatz bei 975 Millionen Euro. Währungs- und portfoliobereinigt entspricht dies einem Rückgang bei unseren Aspirin™-Produkten um 1,5 Prozent. Positiv entwickelte sich das Geschäft mit unseren Wundheilungs- und Hautpflegemitteln Bepanthen™ / Bepanthol™.

Das um Sondereinflüsse bereinigte EBITDA von Consumer Health ging 2018 deutlich zurück – um 11 Prozent auf 1,1 Milliarden Euro.

Strategisch hat Consumer Health im Jahr 2018 wichtige Grundlagen für den zukünftigen Erfolg geschaffen und setzt nun einen umfassenden Plan zur Neuausrichtung und Stärkung der Ertragskraft um.



Unsere Division Crop Science erzielte im vergangenen Jahr einen Umsatz von 14,3 Milliarden Euro. Nominal entsprach das einem Zuwachs von 49 Prozent. Dieser kam hauptsächlich durch das neu akquirierte Geschäft zustande, das seit dem 7. Juni 2018 enthalten ist. Gleichzeitig sind die an BASF abgegebenen Geschäfte nur bis zum Abschluss der Verkäufe enthalten.

Bereinigt um Währungs- und Portfolioeffekte legte der Umsatz um 6,1 Prozent zu. Dieser Zuwachs beruhte insbesondere auf der Normalisierung der Marktsituation in Brasilien.

Besonders positiv entwickelten sich die Umsätze in Nordamerika, China, Japan und Indien. Rückläufig war das Geschäft dagegen in der Region Europa / Nahost / Afrika. Das lag an Zulassungsbeschränkungen in Europa und an den ungünstigen Wetterbedingungen im vergangenen Sommer. Die extreme Hitze und Dürre haben den Landwirten zu schaffen gemacht und damit auch uns.

Das um Sondereinflüsse bereinigte EBITDA von Crop Science erhöhte sich im Geschäftsjahr 2018 um fast 30 Prozent auf 2,7 Milliarden Euro. Ein wichtiger Grund für den Anstieg war der Ergebnisbeitrag des akquirierten Geschäfts in Höhe von rund 700 Millionen Euro. Negative Währungseffekte wirkten sich mit rund 100 Millionen Euro aus.

Der Umsatz unserer Geschäftseinheit Animal Health lag mit 1,5 Milliarden Euro und einem leichten Anstieg um 0,5 Prozent auf dem Niveau des Vorjahres. Das bereinigte EBITDA von Animal Health ging um 6 Prozent auf 358 Millionen Euro zurück.

Damit möchte ich den Blick auf das Geschäftsjahr 2018 abschließen. Das Fazit ist klar: Wir haben ein schwieriges Marktumfeld erlebt, mit deutlich negativen Währungseffekten und auch mit einer wachsenden Verunsicherung durch globale Handelskonflikte. Trotzdem sind wir bei Umsatz und Ergebnis weiter gewachsen und haben unsere operativen Ziele erreicht.



Darüber hinaus sind wir sehr gut ins Geschäftsjahr 2019 gestartet. Die Zahlen für unser erstes Quartal haben wir gestern veröffentlicht.

Der Konzernumsatz lag bei 13 Milliarden Euro. Das ist ein deutlicher Anstieg im Vergleich zum ersten Quartal 2018, was natürlich vor allem an der Akquisition liegt. Aber auch währungs- und portfolio­bereinigt stieg der Konzernumsatz um 4,1 Prozent.

Der Umsatz bei Crop Science wuchs um 5,5 Prozent, insbesondere durch die Geschäftsentwicklung in Nordamerika und Lateinamerika. Erfreulich war auch der Umsatzanstieg von 5,3 Prozent bei Pharma. Dort lief insbesondere das Geschäft in China besonders positiv.

Das EBITDA vor Sondereinflüssen des Konzerns stieg im ersten Quartal um 44,6 Prozent auf 4,2 Milliarden Euro. Das neu akquirierte Geschäft trug dazu mit 1,8 Milliarden Euro mehr als 40 Prozent bei.

Auf dieser Basis haben wir auch den Ausblick für das Geschäftsjahr 2019 bestätigt. Wie bereits beim Kapitalmarkttag im vergangenen Dezember kommuniziert, haben wir uns ambitionierte Ziele gesetzt.

Wir erwarten 2019 einen Umsatz von etwa 46 Milliarden Euro. Das entspricht einer währungs- und portfoliobereinigten Steigerung um etwa 4 Prozent. Das um Sondereinflüsse bereinigte EBITDA wollen wir auf etwa 12,2 Milliarden Euro steigern. Für das bereinigte Ergebnis je Aktie planen wir einen Anstieg auf etwa 6,80 Euro.

Darüber hinaus haben wir uns ambitionierte mittelfristige Ziele gesetzt. So wollen wir – im going concern, also mit unverändertem Portfolio – bis 2022 das bereinigte EBITDA auf 16 Milliarden Euro steigern. Das bereinigte Ergebnis je Aktie wollen wir bis dahin auf etwa 10 Euro je Aktie steigern.



Mit dem gleichen Zeithorizont haben Vorstand und Aufsichtsrat im vergangenen November eine Reihe von umfassenden Portfolio- sowie Effizienz- und Strukturmaßnahmen beschlossen, um unsere Kerngeschäfte weiter zu stärken sowie die Produktivität und Ertragskraft des Unternehmens deutlich zu steigern.

Zu den Portfolio-Maßnahmen zählen der angekündigte Verkauf unserer Marken Coppertone™ und Dr. Scholls™, der Verkauf unseres 60-prozentigen Anteils an Currenta sowie der Ausstieg aus unserem Animal-Health-Geschäft.

Wir machen bei allen diesen Projekten gute Fortschritte. Wie gestern bekannt gegeben, wollen wir Animal Health verkaufen, werden aber weiterhin alle wertmaximierenden Optionen eines Ausstiegs prüfen.

Die Effizienz- und Strukturmaßnahmen gehen einher mit dem geplanten Abbau von weltweit etwa 12.000 Arbeitsplätzen bis Ende 2021, darunter insgesamt 4.500 Arbeitsplätze in Deutschland. Wir sind uns der Tragweite dieser Entscheidungen für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bewusst und setzen die Maßnahmen deshalb fair, verantwortungsvoll und in enger Zusammenarbeit mit den Arbeitnehmervertretern um. In Deutschland hat das dazu geführt, dass wir betriebsbedingte Kündigungen im Personalverbund bis Ende 2025 grundsätzlich ausschließen konnten. Das war ein gemeinsamer Erfolg.

Ich möchte die Gelegenheit nutzen, um mich im Namen des Vorstands bei den Mitgliedern des Aufsichtsrats für die vertrauensvolle Zusammenarbeit im vergangenen Jahr zu bedanken. Diese Zusammenarbeit hat auch in schwierigen Situationen ganz wesentlich dazu beigetragen, wichtige Entscheidungen für das Unternehmen zu treffen und tragfähige Lösungen für unsere Belegschaft zu finden.

Teil dieser Entscheidungen ist es auch, dass wir bis 2022 insgesamt 35 Milliarden Euro in die Weiterentwicklung von Bayer investieren wollen. Mehr als zwei Drittel dieser Summe fließen in Forschung und Entwicklung. Diese Investitionen stehen für unser Vertrauen in die Zukunft und für unsere Überzeugung, die Zukunft mit innovativen Lösungen zu gestalten.

Bevor ich zum Schluss meiner Rede komme, möchte ich anhand einiger Beispiele illustrieren, an welchen spannenden Innovationen wir arbeiten. Manches davon ist noch Zukunftsmusik, anderes dagegen ist schon weit fortgeschritten.



Im vergangenen November haben wir in den USA die Zulassung für unser neues Medikament ­Vitrakvi™ erhalten. Die Zulassungsanträge für Europa und andere Regionen laufen. Vitrakvi™ mit dem Wirkstoff Larotrectinib ist ein hochwirksames Krebsmedikament neuen Typs.

Traditionell erfolgt die Behandlung von Krebserkrankungen nach Organen. Doch unabhängig davon können scheinbar völlig verschiedene Krebsformen ihre Ursache in ähnlichen genomischen Veränderungen von Krebszellen haben.

Hier setzt unser neuer Wirkstoff an, der direkt auf die für das Tumorwachstum verantwortliche Genomabweichung abzielt und tumorübergreifend eingesetzt werden kann. Damit haben wir die Möglichkeit, Patienten eine neue und hochwirksame Therapie zur Verfügung zu stellen. Wir haben diesen Wirkstoff in einem fortgeschrittenen Stadium von einem amerikanischen Unternehmen übernommen, ihn gemeinsam weiterentwickelt und nun vor Kurzem entschieden, die globale Entwicklung und Vermarktung alleine voranzutreiben. Es ist ein gutes Beispiel, wie wir uns mit Kooperationen Zugang zu neuen Technologien sichern, um Krankheiten noch besser verstehen und behandeln zu können. Auf diesen Weg wollen wir uns bei der Entwicklung unserer Pipeline künftig noch stärker konzentrieren. Für uns gilt: Es ist weniger wichtig, wo gute Ideen entstehen, sondern wie wir sie zum Wohl der Patienten umsetzen können.

Ein anderes faszinierendes Beispiel ist die Digitalisierung der Landwirtschaft. Wir sind heute in der Lage, den Landwirten Daten und Wissen über jede Pflanze und jeden Quadratzentimeter Boden zur Verfügung zu stellen.

Jeder Landwirt trifft jedes Jahr auf seinen Feldern etwa 40 wegweisende Entscheidungen – von der Fruchtfolge über die Auswahl des Saatguts bis zum Dünger. Dank der digitalen Technik können diese Entscheidungen heute und in den kommenden Jahren besser und präziser ausfallen als jemals zuvor. Das wird auch dazu führen, dass nur so viel Dünger und auch nur so viel Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden wie unbedingt nötig. Eine digitale Landwirtschaft wird eine nachhaltigere Landwirtschaft sein. Darin liegt eine große Chance.

Gleichzeitig sind wir dank der digitalen Anwendungen und der künstlichen Intelligenz unserer Plattform FieldView™ immer mehr in der Lage, den konkreten Nutzen auf dem Feld vorherzusagen, also etwa den Ernteertrag, den ein Landwirt bekommt, wenn er unsere Produkte einsetzt.

So haben wir im vergangenen Jahr ein Pilotprojekt mit einem Fungizid gestartet, bei dem wir Landwirten einen definierten Ertrag pro Acker als Ergebnis anbieten, das mit digitalen Methoden gemessen wird. Kommt diese Ertragssteigerung nicht zustande, erstatten wir dem Landwirt seine Kosten. Mit anderen Worten: Wir verkaufen künftig ein Versprechen und verdienen nur dann, wenn wir es auch einlösen. Das ist eine grundlegende Innovation im Sinne unserer Kunden.

Das gilt noch mehr für das dritte und abschließende Beispiel, von dem ich Ihnen berichten möchte. Es liegt noch weiter in der Zukunft, aber es ist ein Beispiel, das Hoffnung macht.

Viele Krankheiten entstehen, weil ein bestimmter Zelltyp abstirbt. Bei Parkinson sind es Nervenzellen, die wichtig sind, um Bewegungen auszuführen. Diese leidvolle Erfahrung machen mehr als zehn Millionen Parkinson-Patienten weltweit. Gemeinsam mit dem Partnerunternehmen BlueRock arbeitet Bayer an einer Stammzell-Therapie gegen Parkinson. Das Ziel ist es, den Patienten neue, funktionsfähige Zellen zu implantieren, die an die Stelle der abgestorbenen Zellen treten.

Noch in diesem Jahr werden unsere Forscher mit einer Gruppe von zehn Parkinson-Patienten voraussichtlich die erste klinische Studie beginnen. Das ist ein echter Meilenstein.

Meine Damen und Herren, lassen Sie mich nun zum Schluss meiner Rede kommen.

Ich hoffe sehr, dass ich Ihnen die zentralen Fragen, die uns in diesen Tagen gestellt werden, zufriedenstellend beantworten konnte:
- Ist die Strategie des Unternehmens solide und nachhaltig?
- War der Erwerb von Monsanto der richtige Schritt für Bayer?
- Hat der Vorstand dabei pflichtgemäß gehandelt und die Risiken von Glyphosat sorgfältig geprüft?
- Ist Glyphosat ein sicheres Produkt?
- Wie bewerten Sie die Klagen wegen Glyphosat?
- Wie ist Bayer für die Zukunft aufgestellt?
- Wie übersetzt sich die Strategie ins operative Geschäft?

Bleibt eine letzte Frage: „Wann werden die Aktionäre davon profitieren?“

Allem Anschein nach ist dies weniger eine Frage der operativen Performance im laufenden Geschäft und auch weniger eine Frage der erfolgreichen Realisierung unserer mittelfristigen Ziele. Die große Belastung des Aktienkurses resultiert vielmehr aus den Produkthaftungsverfahren zu Glyphosat in den USA.

Wir können Ihnen hier keine kurzfristige und vollumfängliche Klärung versprechen. Aber ich kann Ihnen versichern, dass wir mit Hochdruck daran arbeiten, uns in Berufungsverfahren und den kommenden Gerichtsverhandlungen erfolgreich zu verteidigen und damit auch die Unsicherheit mit Blick auf den Ausgang des Haftungskomplexes zu reduzieren.

Die entschiedene Verteidigung unseres Unternehmens hat für uns höchste Priorität. Dazu zählen die Steuerung der laufenden Verfahren, die stetige Weiterentwicklung unserer Verteidigungsstrategie und die Einbindung führender Experten.

Meine Damen und Herren, die Vielfalt von Bayer, die Qualität unserer Produkte, das Know-how unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie insbesondere die operative Performance und die Perspektiven unseres Unternehmens – das alles spiegelt sich Stand heute zu wenig in der Bewertung unseres Unternehmens an der Börse wider. Das gilt auch für die Bewertung unseres Unternehmens durch Teile der Öffentlichkeit.

Dabei wird uns vorgehalten, dass wir uns im Zusammenhang mit Monsanto und Glyphosat zu sehr auf die Fakten konzentrieren, aber die Emotionen nicht ausreichend berücksichtigt haben.

Lassen Sie mich an dieser Stelle ganz klar sagen: Maßgeblich für die Bewertung und Zulassung von Produkten – und damit für die Gesundheit von Menschen – müssen weiterhin die unabhängigen Behörden sein. Sie entscheiden auf der Basis von wissenschaftlichen Analysen – und nicht auf der Basis von Emotionen.

Vor diesem Hintergrund haben wir die Rechtsrisiken um Glyphosat natürlich gesehen und bewertet, so wie ich es Ihnen geschildert habe. Zugleich müssen wir aber mittlerweile feststellen, dass das Vertrauen in die Wissenschaft und in unabhängige Zulassungsbehörden gesellschaftlich zunehmend ausgehöhlt und unterminiert wird.

Das ist eine sehr gefährliche Entwicklung, denn so wird die Glaubwürdigkeit unabhängiger Instanzen beschädigt – und damit letztlich auch die Vertrauensbasis für uns alle.

In dieser Situation hilft nur verantwortungsvolles und transparentes Handeln. Dafür steht unser Unternehmen seit vielen Jahrzehnten. Darauf basiert unsere Reputation.

Wir bei Bayer sind fest entschlossen, unseren Teil dazu beizutragen, dass die Menschen das verloren gegangene Vertrauen in die Wissenschaft und in die Zulassungsbehörden wieder zurückgewinnen können.

Deshalb haben wir bereits 2017 als einziges Unternehmen freiwillig damit begonnen, umfassende Daten über Sicherheitsstudien zu Pflanzenschutzmitteln zu veröffentlichen. Nach der Übernahme von Monsanto haben wir diese Übersicht selbstverständlich auch um umfangreiche Sicherheitsdaten zu Glyphosat ergänzt.

Wir glauben, dass Transparenz über die Studien zur Produktsicherheit ein notwendiger Schritt zur Wiederherstellung von Vertrauen ist.

Das alleine reicht aber nicht aus. Alle gesellschaftlichen Gruppen sind hier in der Verantwortung, die Unabhängigkeit von Wissenschaft und Risikobewertung zu fördern – auch oder gerade wenn die Ergebnisse von Studien oder regulatorische Entscheidungen einem nicht gefallen.

Forschung und Fortschritt mit der gebotenen Verantwortung und Transparenz sowie eine wissenschaftsbasierte Regulierung sind die Voraussetzungen für Vertrauen und damit auch für Akzeptanz in der Gesellschaft.

Nur so können wir unseren Auftrag „Science for a better life“ erfüllen. Es geht darum, das Leben der Menschen zu verbessern. Und zwar mit Produkten, die auf Wissenschaft und Forschung basieren.

„Bayer wird Bayer bleiben“, habe ich im vergangenen Jahr gesagt. Im Kern geht es bei Bayer immer um verantwortungsvolle Wissenschaft zum Wohle von Kunden, Konsumenten und Patienten.

Das war vor mehr als 30 Jahren so, als ich bei diesem Unternehmen angefangen habe. Das ist heute so und das wird auch so bleiben. Vielen Dank!


Zukunftsgerichtete Aussagen
Diese Präsentation kann bestimmte in die Zukunft gerichtete Aussagen enthalten, die auf den gegenwärtigen Annahmen und Prognosen der Unternehmensleitung von Bayer beruhen. Verschiedene bekannte wie auch unbekannte Risiken, Ungewissheiten und andere Faktoren können dazu führen, dass die tatsächlichen Ergebnisse, die Finanzlage, die Entwicklung oder die Performance der Gesellschaft wesentlich von den hier gegebenen Einschätzungen abweichen. Diese Faktoren schließen diejenigen ein, die Bayer in veröffentlichten Berichten beschrieben hat. Diese Berichte stehen auf der Bayer-Webseite www.bayer.de zur Verfügung. Die Gesellschaft übernimmt keinerlei Verpflichtung, solche zukunftsgerichteten Aussagen fortzuschreiben und an zukünftige Ereignisse oder Entwicklungen anzupassen.

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