Dienstag - 4. Juni 2019

Bayer entwickelt mit Arvinas, Inc. Proteolyse-Moleküle für Anwendung in Medizin und Landwirtschaft

Zusammenarbeit in Höhe von mehr als 110 Millionen US-Dollar setzt die Proteolysis-Targeting Chimera (PROTAC®) -Technologie erstmalig in Agrarforschung ein / Bayer und Arvinas gründen Joint Venture zur Entwicklung von Molekülen zum gezielten Proteinabbau im Pflanzenschutz / Kooperation und Kapitalbeteiligung von Bayer hinsichtlich Entwicklung von Arzneimittelkandidaten der nächsten Generation zur Behandlung kardiovaskulärer, onkologischer und gynäkologischer Krankheiten

Berlin/Monheim, 4. Juni 2019 – Bayer gab heute die Zusammenarbeit mit Arvinas, Inc., einer US-amerikanischen biopharmazeutischen Firma aus New Haven, Connecticut, bekannt. Die neue Forschungskooperation auf dem Gebiet der Life Sciences soll die neuartige PROTAC®-Technologie von Arvinas auf einzigartige Weise sowohl für die Entwicklung neuer Arzneimittel, als auch in der Agrarforschung nutzen – zum Vorteil von Patienten und Landwirten.

Arvinas gilt als Pionier auf dem Gebiet der sogenannten PROTAC- (Proteolysis-Targeting Chimeras = auf die Proteolyse abzielende Moleküle) Technologie. Diese nutzt das natürliche Proteinabbausystem der Zelle, um selektiv einzelne Zielproteine durch Proteolyse abzubauen und in ihre Bausteine, die Aminosäuren, zu zerlegen.

Als führendes Unternehmen auf den Gebieten Gesundheit und Landwirtschaft verdeutlicht diese Kooperation, wie Bayer potenzielle Synergien und sich gegenseitig ergänzende Forschungsansätze für Anwendungen in der Medizin sowie der Landwirtschaft nutzen kann. Dies ist einzigartig im Life Science Sektor.

Bayer gründet im Rahmen der Kooperation gemeinsam mit Arvinas ein exklusives Joint Venture, um als erstes Unternehmen überhaupt die Potenziale der PROTAC®-Technologie für Landwirtschaft und Pflanzenschutz zu erforschen. Gleichzeitig startet Bayer im Pharmabereich eine Forschungskooperation mit Arvinas und investiert im Rahmen einer Kapitalbeteiligung in die Technologie.

Landwirtschaftliches Joint Venture

Das Joint Venture wird die Erforschung neuartiger Zielmoleküle zur Bekämpfung von Unkräutern, Insekten und Krankheiten vorantreiben, die weltweit landwirtschaftliche Nutzpflanzen bedrohen. Da mit dieser Technologie die Zielmoleküle nicht gehemmt, sondern abgebaut werden, eröffnet sie neue Wege für den Pflanzenschutz. Darüber hinaus können PROTAC-Moleküle theoretisch auch bestehende Wirkmechanismen reaktivieren, wenn der Schadorganismus aufgrund von Resistenzen nicht mehr auf die Behandlung anspricht.

„Ziel ist es, die komplementären Kompetenzen von Bayer und Arvinas zu nutzen, um neuartige Forschungserkenntnisse zu gewinnen, die schließlich zu neuen Pflanzenschutzprodukten für die Landwirtschaft führen“, sagte Dr. Robert Reiter, Mitglied des Executive Committee der Division Crop Science der Bayer AG und Leiter Forschung und Entwicklung. „Mit diesen hochmodernen wissenschaftlichen Ansätzen wollen wir sichere und wirksame Lösungen anbieten, die Landwirte dabei unterstützen, Pflanzen anzubauen und zu schützen und so helfen, die wachsende Weltbevölkerung zu ernähren.“

Mit der Gründung des Joint Venture verpflichtet sich Bayer zur Zahlung von mehr als 55 Millionen US-Dollar über einen Zeitraum von sechs Jahren, um die neue Proteinabbautechnologie in der Agrarchemie nutzbar zu machen und ein IP-Portfolio zu agrarspezifischen PROTACs aufzubauen.

Pharmazeutische Kooperation und Kapitalbeteiligung

Im Pharmabereich beruht eine Vielzahl aktuell verfügbarer Arzneimittel auf dem Mechanismus niedermolekularer Inhibitoren. Bis zu 80 Prozent des menschlichen Proteoms gelten für diesen Mechanismus gegenwärtig allerdings als unzugänglich ("undruggable"). Proteinabbauende Moleküle wie PROTACs bieten gegenüber den niedermolekularen Inhibitoren etliche Vorteile, weil sie Zielproteine direkt entfernen, anstatt sie nur zu blockieren. Darüber hinaus sind für eine Vielzahl der Zielmoleküle, die für die Arzneimittelentwicklung von Bedeutung sind, noch gar keine Inhibitoren bekannt.

„Die Kooperation mit Arvinas passt sehr gut zu unserem strategischen Ansatz der Nutzung neuartiger Technologien und wir sehen hier großes Potenzial für bahnbrechende Innovationen“, sagte Dr. Jörg Möller, Mitglied des Executive Committee der Division Pharmaceuticals der Bayer AG und Leiter Forschung und Entwicklung. „Da PROTACs nicht die Enzymaktivität der Zielproteine hemmen, sondern hoch selektiv an ihre Ziele binden, lassen sich bisher unwirksame Inhibitor-Moleküle als PROTACs neu gestalten und als Arzneimittel der nächsten Generation einsetzen.“

Im Rahmen der Vereinbarung erhält Arvinas eine Vorauszahlung und Unterstützung für pharmazeutische Forschung und Entwicklung während der kommenden vier Jahre. Ferner beinhaltet die Zusammenarbeit eine Kapitalbeteiligung durch Bayer. Zusammengenommen übersteigen diese Investitionen 60 Millionen US-Dollar. Bayer erhält die Rechte an neuartigen Leitstrukturen, die im Rahmen der Kooperation entwickelt werden. Bei Fortschreiten der einzelnen Projekte in Forschung, Entwicklung und Kommerzialisierung könnte Arvinas vorabdefinierte Meilensteinzahlungen in Höhe von insgesamt mehr als 685 Millionen US-Dollar erhalten.

„Als erstes Unternehmen, das mit dem Ziel gegründet wurde, den gezielten Proteinabbau zu erforschen, sind wir seit unserer Gründung von den hiermit verbundenen Möglichkeiten für die Verbesserung der Lebensqualität von Patientinnen und Patienten überzeugt“, sagte Dr. John Houston, President und CEO von Arvinas. „Uns war auch immer bewusst, dass sich die PROTAC®-Plattform prinzipiell über die Behandlung menschlicher Krankheiten hinaus erweitern lässt. Diese Kooperation erlaubt es uns nicht nur, unsere Plattform auf neue therapeutische Bereiche auszudehnen, sondern sie ist gleichzeitig der Aufbruch in eine ganz neue Richtung; die Anwendung unseres Ansatzes in der Landwirtschaft. Wir sind erfreut, gemeinsam mit Bayer an den Herausforderungen für die Ernährung der wachsenden Weltbevölkerung zu arbeiten und die Gesundheit von Menschen zu verbessern.“

Über proteinabbauende PROTAC®-Moleküle
Die proteinabbauenden PROTAC®-Moleküle von Arvinas nutzen das körpereigene Proteinentsorgungssystem für den Abbau krankheitsauslösender Proteine. Die PROTAC®-Moleküle rekrutieren eine E3-Ligase, um das Zielprotein mit Ubiquitin zu markieren. Diese Markierung bestimmt dann den Abbau über das Proteosom, einen großen Proteinkomplex, der das ubiquitin-markierte Zielprotein in kleinere Peptide und Aminosäuren zerlegt. Durch den Abbau des Zielproteins wird das PROTAC®-Molekül freigegeben und kann den Zyklus erneut beginnen, um die Zerstörung eines weiteren Zielproteinmoleküls einzuleiten.

Die PROTAC®-Moleküle haben zahlreiche potenzielle Vorteile für ihren Einsatz als Arzneimittel; darunter eine breite Gewebeverteilung, Verabreichungsformen einschließlich oraler Anwendung sowie einfachere Produktionsverfahren im Vergleich zu anderen neuartigen Modalitäten wie zellbasierte Therapien. Arvinas hat eine unternehmenseigene Datenbank von Proteinzielliganden, E3-Ligase-Liganden sowie Linker-Molekülen entwickelt und optimiert. Anhand dieser kann das Unternehmen effiziente proteinabbauende Moleküle mit günstigen Eigenschaften für eine erfolgreiche Arzneimittelentwicklung rasch identifizieren und optimieren.

Über Arvinas
Arvinas ist ein biopharmazeutisches Unternehmen, das sich die Entdeckung, Entwicklung und Kommerzialisierung von Therapien zum Abbau krankheitsverursachender Proteine zum Ziel gesetzt hat, um die Lebensqualität von Patientinnen und Patienten mit behindernden und lebensbedrohlichen Erkrankungen zu verbessern. Arvinas stellt mit seiner unternehmenseigenen Technologieplattform rekombinante, auf die Proteolyse abzielende sogenannte PROTAC®-Moleküle her, die das körpereigene Proteinentsorgungssystem für den selektiven und effizienten Abbau krankheitsauslösender Proteine nutzen. Klinische Studien zum Leitprogramm ARV-110 des Unternehmens zur Behandlung von Patienten mit metastasiertem, kastrationsresistentem Prostatakarzinom begannen im 1. Quartal 2019. Mehr dazu finden Sie unter www.arvinas.com.

Über Bayer
Bayer ist ein weltweit tätiges Unternehmen mit Kernkompetenzen auf den Life-Science-Gebieten Gesundheit und Ernährung. Mit seinen Produkten und Dienstleistungen will das Unternehmen den Menschen nützen, indem es zur Lösung grundlegender Herausforderungen einer stetig wachsenden und alternden Weltbevölkerung beiträgt. Gleichzeitig will der Konzern seine Ertragskraft steigern sowie Werte durch Innovation und Wachstum schaffen. Bayer bekennt sich zu den Prinzipien der Nachhaltigkeit und steht mit seiner Marke weltweit für Vertrauen, Zuverlässigkeit und Qualität. Im Geschäftsjahr 2018 erzielte der Konzern mit rund 117.000 Beschäftigten einen Umsatz von 39,6 Milliarden Euro. Die Investitionen beliefen sich auf 2,6 Milliarden Euro und die Ausgaben für Forschung und Entwicklung auf 5,2 Milliarden Euro. Weitere Informationen sind im Internet zu finden unter www.bayer.de


Folgen Sie uns auf Twitter: twitter.com/BayerPresse_DE

Zukunftsgerichtete Aussagen
Diese Presseinformation kann bestimmte in die Zukunft gerichtete Aussagen enthalten, die auf den gegenwärtigen Annahmen und Prognosen der Unternehmensleitung von Bayer beruhen. Verschiedene bekannte wie auch unbekannte Risiken, Ungewissheiten und andere Faktoren können dazu führen, dass die tatsächlichen Ergebnisse, die Finanzlage, die Entwicklung oder die Performance der Gesellschaft wesentlich von den hier gegebenen Einschätzungen abweichen. Diese Faktoren schließen diejenigen ein, die Bayer in veröffentlichten Berichten beschrieben hat. Diese Berichte stehen auf der Bayer-Webseite www.bayer.de zur Verfügung. Die Gesellschaft übernimmt keinerlei Verpflichtung, solche zukunftsgerichteten Aussagen fortzuschreiben und an zukünftige Ereignisse oder Entwicklungen anzupassen.

Download Center
0
Datei(en) gesammelt

Download Center öffnen