Freitag - 14. September 2018

Experten widmen sich tödlichen Gerinnungsstörungen durch Angiostrongylose

Meinungsführer aus 18 Ländern kamen beim 6. Kongress der ESDA (European Society of Dirofilariosis and Angiostrongylosis) zusammen, um die neuesten Fortschritte bei Diagnose und Behandlung der Krankheit zu diskutieren / Der Lungenwurm Angiostrongylus vasorum stellt eine wachsende Bedrohung für Hunde dar, da sich die Krankheit auf neue Gebiete ausbreitet und in bereits betroffenen Regionen endemische Ausmaße annimmt
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Lungenwurm verbreitet sich in ganz Europa

Monheim/Belgrad, 14. September 2018 – Beim 6. Kongress der European Society of Dirofilariosis and Angiostrongylosis (ESDA) widmeten sich Meinungsführer der Parasitologie und der klinischen Veterinärmedizin der wachsenden Bedrohung durch den Lungenwurm Angiostrongylus vasorum und den potenziell tödlichen Folgen der parasitären Erkrankung wie beispielsweise Gerinnungsstörungen.

Über 100 Experten der Parasitologie und Tierärzte, die tagtäglich Fälle von Lungenwürmern diagnostizieren und behandeln, nahmen an dem Treffen teil, das vom 5. bis 7. Juli im serbischen Belgrad stattfand.

Der Anstieg der bestätigten Fälle von A. vasorum scheint aus der größeren Aufmerksamkeit bei Tierärzten als auch der Verfügbarkeit neuer Tests zur Diagnose zu resultieren. Professor Eric Morgan von der Queen’s University in Belfast ging auf dieses Phänomen ein und stellte Daten aus unterschiedlichen Studien mit Füchsen in Großbritannien und mit Hunden in Deutschland vor. Alle Studien bestätigten einen deutlichen Anstieg der Fälle: von 12 positiven Fällen zwischen 2002 und 2006 bis hin zu 426 Fällen von 2012 bis 2016 (1). Auch Daten aus der Schweiz, die eine erhebliche Ausbreitung von A. vasorum bei Füchsen seit 2003 (2) belegen, untermauern diese Erkenntnisse. Im Nordosten der Schweiz, wo es zuvor überhaupt keine Fälle gab, stieg das Vorkommen von knapp 2 Prozent in den 1980er-Jahren auf über 60 Prozent im aktuellen Jahrzehnt.

Angiostrongylus vasorum breitet sich definitiv in Europa aus, doch wie es jetzt weitergeht, hängt von vielen Faktoren ab. Dazu gehören die Verbreitung von Wirten und Zwischenwirten sowie das Klima – beide Faktoren entwickeln sich derzeit leider zugunsten des Parasiten. Daher werden wir wahrscheinlich beobachten, dass sowohl die Verbreitung als auch die Zahl der Fälle weiter wächst und dass die bereits besiedelten Regionen bald lückenlos betroffen sein werden“, erklärte Professor Morgan.

Praktizierende Tierärzte konnten auf dem Kongress praktische Erfahrungen im Umgang mit den neuesten Diagnosetests für A. vasorum machen. So gab es beispielsweise eine Live-Präsentation des Baermann-Tests und eine Diskussion zur Durchführung und Interpretation von Röntgenaufnahmen und Ultraschalluntersuchungen.

Auf großes Interesse stieß auch die Notwendigkeit besserer Diagnoseverfahren und Behandlungsoptionen für Gerinnungsstörungen, die für viele Todesfälle unter den mit A. vasorum infizierten Hunden verantwortlich sind. Die Teilnehmer führten dazu lebhafte Diskussionen, die sich auch um die im Journal of Veterinary Internal Medicine (JVIM) veröffentlichten spannenden neuen Forschungsergebnisse drehten.

Die Studie wurde von Professorin Manuela Schnyder von der Universität Zürich vorgestellt und untersuchte Pathomechanismen, Diagnose und Behandlung von durch Angiostrongylose ausgelösten Blutungen bei Hunden. Prof. Schnyder sagte dazu:

„Obwohl die hämorrhagische Diathese eine potenziell tödliche Folge ist, die bei bis zu einem Drittel der klinischen Fälle von Angiostrongylose beobachtet wird, sind die genauen Pathomechanismen, die hier am Werk sind, immer noch unklar. Jüngste Studien identifizieren Hyperfibrinolyse und Hypofibrinogenämie als wichtige Faktoren bei von Angiostrongylose ausgelöster Blutungsneigung bei Hunden, die durch eine Rotations-Thrombelastometrie (ROTEM) diagnostiziert werden kann. Die Studie zeigte außerdem, dass die Behandlung mit Tranexamsäure, einem Antifibrinolytikum, das in der Humanmedizin zum Einsatz kommt, und Plasmatransfusionen eine erfolgreiche Lösung darstellen kann. (3)

Für praktizierende Tierärzte könnte dieses Verfahren von Bedeutung sein, da die Behandlung von Tieren mit durch A. vasorum ausgelösten Gerinnungsstörungen aktuell eine große Herausforderung darstellt. Die Studie bringt also eine möglicherweise praktikable Behandlungsoption für diese Tiere hervor, wobei zunächst weitere klinische Tests nötig sind.

Trotz dieser bahnbrechenden Erkenntnisse muss der Schwerpunkt weiterhin auf der routinemäßigen Vorbeugung liegen, um gefährdete Hunde zu schützen. Denn schließlich bleiben Füchse relevante Überträger von A. vasorum, die weder behandelt noch kontrolliert werden können. Der Kongress führte zu einer Reihe von klaren Ergebnissen, die praktizierende Tierärzte anwenden können, um der weiteren Ausbereitung von A. vasorum Einhalt zu gebieten und die Zahl der Todesfälle zu reduzieren. Dazu gehören folgende Maßnahmen:

• Auf klinische Anzeichen achten und vorhandene Diagnosetests routinemäßig durchführen
• Die Kontrolle in den Tierarztpraxen fördern
• Haustierbesitzer über den Parasiten und ihre Rolle bei der Risikominderung aufklären
• Bei Hunden, bei denen die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass sie in endemischen Gebieten Lungenwurmwirte fressen, eine vorbeugende Routinebehandlung in Betracht ziehen

Weitere Informationen über den Kongress der ESDA und Tipps zum praktischen Umgang mit Angiostrongylose einschließlich Online-Tutorials finden Sie auf folgenden Websiten:

https://www.esda.vet/guide-lines-tutorials/
https://www.esccap.org/uploads/docs/0x0o7jda_ESCCAP_Guideline_01_Third_Edition_July_2017.pdf
https://www.bayer4animals.com/en/home/index.php


1) Barutzki D, Dyachenko V, Schaper R., Lungworms in Germany 2002 - 2016: Is there an increase in occurrence and geographical spread?
2) Gillis-Germitsch N., Schnyder M., The spread of Angiostrongylus vasorum in the Swiss fox population in the last 30 years.
3) Sigrist, N.E., Hofer-Inteeworn, N., Jud Schefer, R., Kuemmerle-Fraune, C., Schnyder, M., Kutter, A.P.N., 2017, Hyperfibrinolysis and hypofibrinogenemia diagnosed with rotational thromboelastometry in dogs naturally infected with Angiostrongylus vasorum. Journal of veterinary internal medicine, doi: 10.1111/jvim.14723

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