Dienstag - 27. April 2021

Aus den Ausführungen von Werner Baumann

Vorsitzender des Vorstands der Bayer AG

(Es gilt das gesprochene Wort)


Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Aktionärinnen und Aktionäre,
ich begrüße Sie sehr herzlich zu unserer Hauptversammlung 2021. Im vergangenen Jahr haben wir gemeinsam an dieser Stelle für eine Premiere im DAX gesorgt und die erste reine Online-Hauptversammlung in Deutschland abgehalten.

Auch die heutige Hauptversammlung findet wieder virtuell statt. Dabei haben wir Ihr Feedback aufgenommen und zum Beispiel mehr interaktive Elemente eingebaut. Wir hoffen, dass Ihnen dieses Format zusagt.

Ich möchte direkt zu Beginn die Dinge beim Namen nennen. Dabei spreche ich von unserem Unternehmen – und von dem Vertrauen, das im vergangenen Jahr verloren gegangen ist. Und ich spreche über die enttäuschende Entwicklung unseres Aktienkurses. Um es klar zu sagen: Damit können wir nicht zufrieden sein. Wir haben Ihre und wir haben unsere Erwartungen im vergangenen Jahr nicht erfüllt.

Ich könnte jetzt die unerwarteten Sonderbelastungen oder Währungseffekte anführen. Fakt ist aber: Unabhängig davon, was in unserer Kontrolle lag und was nicht: Wir tragen die Verantwortung – und zwar ohne Wenn und Aber. Deswegen ist es mir wichtig, gleich zu Beginn zu betonen: Wir wollen Ihr Vertrauen wieder zurückgewinnen. Dafür arbeiten wir sehr hart. Und wir werden liefern.

Lassen Sie mich zu den wesentlichen Themen des Geschäftsjahrs 2020 kommen. Die COVID-19-Pandemie ist eine weltweite Herausforderung, die es so noch nie gegeben hat. Eine Herausforderung, die auch uns als Unternehmen alles abverlangt.

In dieser Krise geht es in erster Linie um die Verantwortung gegenüber unseren Kunden – und um die Verantwortung für die Sicherheit und Gesundheit unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter überall auf der Welt. Wir haben einmal mehr gezeigt, dass wir mit dem, was wir bei Bayer in puncto Gesundheit und Ernährung tun, in der Mitte der Gesellschaft stehen. Dass wir ganz konkret helfen können: den Krankenhäusern, den Hilfsdiensten, Gemeinden oder Behörden. Sie alle haben auf unsere Unterstützung gesetzt – und wir konnten dieses Vertrauen rechtfertigen.

Seit Beginn der Pandemie haben wir an allen Standorten umfassende Schutzmaßnahmen eingeführt. Sie werden seither immer wieder überprüft und der jeweiligen Situation angepasst. Und wo immer möglich, arbeiten wir bereits seit mehr als einem Jahr grundsätzlich von zu Hause.

Damit ist es uns auch unter diesen historisch schwierigen Umständen gelungen, unser Versprechen gegenüber unseren Kunden zu erfüllen. Wir konnten pandemiebedingte Lieferunterbrechungen verhindern. Und wir konnten Patienten, Landwirte und Konsumenten weiterhin mit teils lebenswichtigen Produkten versorgen. Darauf sind wir sehr stolz.

Sie sehen hier einige Bilder von unseren Kolleginnen und Kollegen vor Ort. Sie stehen stellvertretend für den immensen Einsatz unserer weltweiten Teams im Umgang mit der Pandemie. Sie arbeiten seit über einem Jahr im beruflichen wie auch privaten Ausnahme- zustand. Ihnen gilt mein großer Dank, im Namen des gesamten Vorstands und sicherlich – liebe Aktionärinnen und Aktionäre – auch in Ihrem Namen.

Dank dieses Einsatzes sind wir operativ gut durch die Krise gekommen. Es zeigt sich sehr deutlich, dass wir in den richtigen Branchen aktiv sind. Denn es gibt kaum etwas, das für die Menschen wichtiger ist als Gesundheit und Ernährung.

Dennoch haben auch wir die besonderen Herausforderungen der Pandemie im vergangenen Jahr in all unseren Geschäften gespürt. Für unser Agrargeschäft war das Jahr 2020 ein Jahr mit Licht und Schatten. Insgesamt erzielten wir ein Umsatzwachstum von einem Prozent. Damit blieben wir hinter unserer ursprünglichen Planung zurück.

Während wir in den Regionen Asien/Pazifik sowie Lateinamerika währungsbereinigt gewachsen sind, war unser Geschäft in Nordamerika rückläufig.

So hat die Pandemie vor allem im ersten Halbjahr zu einem geringeren Bedarf an Biokraftstoffen geführt – und damit zu deutlich niedrigeren Preisen für Agrarrohstoffe. Darüber hinaus hatten wir die Registrierung für unser wichtiges Herbizid Dicamba zwischenzeitlich verloren. Umso wichtiger ist es für uns, dass wir im Oktober eine neue fünfjährige Zulassung erhalten haben.

Das geringe Wachstum, vor allem aber massive negative Währungseffekte von über einer halben Milliarde Euro haben die Ergebnisentwicklung unseres Crop-Science-Geschäfts stark belastet. Auch mit der Beschleunigung unserer Integrationsmaßnahmen und erheblichen weiteren Kostenreduzierungen konnten wir dies nicht vollständig ausgleichen. Unter dem Strich ging das bereinigte EBITDA deswegen um 178 Millionen Euro auf rund 4,5 Milliarden Euro zurück.

Aktuell sehen wir eine andere Situation: Das Marktumfeld hat sich inzwischen deutlich verbessert. Der erhebliche Nachfrageanstieg bei Agrarprodukten hat zu steigenden Preisen geführt. Wir hoffen natürlich, dass diese Dynamik weiter anhält. Als führendes Unternehmen im weltweiten Agrargeschäft sind wir bestens aufgestellt, um von diesem Trend zu profitieren. Unser Ziel ist es, ab dem kommenden Jahr über dem Markt zu wachsen – und zwar zwischen drei und fünf Prozent. Auch die Rentabilität des Geschäfts soll sich bis 2024 verbessern: Wir wollen dann eine bereinigte EBITDA-Marge von 27 bis 29 Prozent erreichen.

Zurück zum Geschäftsjahr 2020: Auch für unser Pharmageschäft war es ein sehr ereignisreiches Jahr. COVID-19 hat vor allem in der ersten Jahreshälfte die Zahl der planbaren Behandlungen spürbar reduziert. Das wird jeder aus dem privaten Umfeld kennen, dass Arzttermine verschoben oder gar nicht wahrgenommen wurden. Davon waren unser Augenmedikament Eylea™, unsere Langzeitkontrazeptiva sowie das Radiologie-Geschäft betroffen.

Darüber hinaus wurde in China ein neues Verfahren für den Einkauf von Medikamenten eingeführt. Die damit verbundenen signifikanten Preisnachlässe haben sich negativ auf die Umsätze und Ergebnisbeiträge unserer Produkte Glucobay™ und Avelox™ ausgewirkt. Positiv hervorzuheben ist einmal mehr unser Gerinnungshemmer Xarelto™, der sich auch im vergangenen Jahr mit einem Umsatzplus von zwölf Prozent auf nun 4,5 Milliarden Euro wiederum stark entwickelte.

Insgesamt hatten wir in unserem Pharma-Geschäft dennoch einen leichten Umsatzrückgang zu verzeichnen. Beim bereinigten EBITDA ist es uns dagegen aufgrund umfassender Kostensenkungen gelungen, eine Steigerung von 2,6 Prozent auf sechs Milliarden Euro zu erreichen.

In diesem Jahr arbeiten wir intensiv daran, mehrere große Pharmaprodukte auf den Markt zu bringen beziehungsweise in weiteren Märkten einzuführen. Alle haben Blockbuster-Potenzial. Das bedeutet mögliche Spitzenumsätze von jeweils mehr als einer Milliarde Euro.

Bei unserem neuen Krebsmedikament Nubeqa™ sowie bei Verquvo™ gegen Herzinsuffizienz ist die Einführung in den ersten Märkten bereits erfolgt. Aufgrund der Pandemie musste das praktisch komplett virtuell geschehen. Das ist hervorragend gelungen, und wir haben vor allem bei Nubeqa™ unsere Erwartungen deutlich übertroffen.

Dazukommen soll im weiteren Verlauf des Jahres das gegen Nierenversagen wirkende Mittel Finerenon sowie der Start der klinischen Phase-III-Studie mit Elinzanetant gegen Beschwerden in den Wechseljahren.

Insgesamt rechnen wir bei Pharmaceuticals bis einschließlich 2023 mit einem robusten jährlichen Wachstum von drei bis fünf Prozent. Dabei erwarten wir eine bereinigte EBITDA-Marge zwischen 32 und 34 Prozent. 2024 werden die Patentabläufe von Xarelto™ und Eylea™ zu einem Umsatzrückgang im niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentbereich führen. Aber selbst für das Jahr 2024 erwarten wir eine bereinigte EBITDA-Marge von mehr als 30 Prozent. Ab 2025 soll unser Pharmageschäft mit unseren neuen Produkten und unserer Innovationspipeline wieder wachsen.

Meine Damen und Herren,
in der Pandemie steht unsere Gesundheit besonders im Fokus. Das haben wir auch in unserem Consumer-Health-Geschäft gesehen. Um ganze 23 Prozent sind unsere Umsätze in der Kategorie Nahrungsergänzung im vergangenen Jahr gestiegen. In allen Regionen erreichten wir ein zweistelliges Wachstum.

Gleichzeitig hatte COVID-19 auch gegenteilige Effekte auf unser Geschäft. Masken und Abstandsregeln haben dazu geführt, dass weniger Menschen eine Erkältung oder Grippe bekommen. Dadurch sank die Nachfrage nach entsprechenden Erkältungsprodukten.

Insgesamt ist es umso erfreulicher, dass unsere Division Consumer Health mit einem bereinigten Umsatzwachstum von 5,2 Prozent auf mehr als fünf Milliarden Euro mit an der Spitze der gesamten Branche rangierte. Auch die bereinigte EBITDA-Marge konnte deutlich um 110 Basispunkte gesteigert werden. Der absolute bereinigte EBITDA-Wert lag dabei aufgrund von Portfolioeffekten leicht unter Vorjahr.

Unser Consumer-Health-Team hat in den vergangenen zwei Jahren sehr viel richtig gemacht und die Basis für eine starke Weiterentwicklung gelegt. Wir rechnen hier in den kommenden Jahren ebenfalls mit einem Umsatzplus von jährlich drei bis fünf Prozent. Wir wollen stärker wachsen als der Markt und uns an der Spitze der Branche etablieren. Die bereinigte EBITDA-Marge soll sich dabei in Richtung 25 Prozent entwickeln.

Nun, was heißt das alles für Bayer insgesamt? In Summe haben wir im Geschäftsjahr 2020 einen Umsatz von 41,4 Milliarden Euro erreicht. Währungs- und portfoliobereinigt entspricht das einem Wachstum von 0,6 Prozent. Also: Trotz der Krise ein stabiles Geschäft!

Das können wir auch für das bereinigte EBITDA und das bereinigte Ergebnis je Aktie sagen – den Ertragsgrößen unseres laufenden Geschäfts vor Sondereinflüssen: Mit 11,5 Milliarden Euro im bereinigten EBITDA und 6,39 Euro für das bereinigte Ergebnis je Aktie lagen wir beinahe auf den Cent genau auf den Werten des Vorjahres.

Mit dem Fokus auf Cashflow und Liquiditätssicherung sowie durch den Verkauf des Animal-Health-Geschäftes konnten wir darüber hinaus unsere Nettofinanzverschuldung deutlich auf rund 30 Milliarden Euro zurückführen.

Meine Damen und Herren,
wir haben unsere ursprünglich gesetzten Ziele für das Jahr 2020 nicht erreicht. Dennoch haben wir sehr hart gearbeitet, um trotz der Pandemie und einiger weiterer negativer Effekte ein akzeptables operatives Geschäftsergebnis zu erreichen und auf dieser Basis eine angemessene Dividende zu zahlen.

Wir schlagen der heutigen Hauptversammlung eine Dividende von 2,00 Euro pro Aktie vor. Damit bleiben wir bei unserer Dividendenpolitik, zwischen 30 und 40 Prozent des bereinigten Ergebnisses je Aktie auszuschütten.

Wie bereits eingangs erwähnt hatten wir im vergangenen Jahr massive außergewöhnliche Belastungen zu verkraften, die uns teils auch noch in das Jahr 2021 begleiten. Für die wesentlichen Rechtsfälle in den USA haben wir im vergangenen Jahr Vergleiche von rund 12 Milliarden US-Dollar verkündet. Mit bis zu 9,6 Milliarden US-Dollar entfällt der größte Teil auf die bestehenden Klagen zu Glyphosat. Inzwischen haben wir den weitaus überwiegenden Teil dieser Klagen verglichen.

Entgegen unserer – und Ihrer – Erwartungen konnten wir trotz dieser Fortschritte noch keine finale Regelung erreichen. Dies betrifft vor allem den Umgang mit zukünftigen Fällen. Der ursprüngliche Vergleichsvorschlag musste nach Einreichung bei Gericht im Sommer 2020 zurückgezogen werden. Ein mit den Klägeranwälten neu verhandelter und von diesen unterstützter Vorschlag liegt nun dem zuständigen Richter in Kalifornien zur Beschlussfassung vor. Dabei sind beide Parteien mit der überarbeiteten Einigung gewissenhaft auf die Fragen eingegangen, die das Gericht zuvor aufgeworfen hatte.

Darüber hinaus mussten wir Wertberichtungen in Höhe von 9 Milliarden Euro auf unser Agrargeschäft vornehmen. In den vergangenen drei Jahren sind das tatsächliche Marktwachstum und die Geschäftsentwicklung hinter unseren Annahmen zurückgeblieben. Dazu kamen massive negative Währungseffekte und auch veränderte Rechnungszinsen. So konnten die ursprünglichen Bewertungsansätze nicht gehalten werden.

Durch diese außergewöhnlichen Belastungen kam es damit trotz der stabilen operativen Entwicklung zu einem negativen Konzernergebnis in Höhe von minus 10,5 Milliarden Euro.

Meine Damen und Herren,
die Belastungen des vergangenen Jahres sollten nicht den Blick auf die Perspektiven von Bayer verstellen. Um es ganz klar zu sagen: Wir schauen optimistisch in die Zukunft.

Unsere Divisionen sind in den nächsten Jahren klar auf Wachstum und eine Steigerung ihrer Ertragskraft ausgerichtet, auch wenn 2021 noch ein Jahr des Übergangs sein wird. Unseren Ausblick für das laufende Geschäftsjahr haben wir Ende Februar vorgelegt.

Unter der Annahme konstanter Währungen rechnen wir mit einem Umsatzwachstum von rund drei Prozent und einem Ergebnis je Aktie, das leicht unter dem Niveau von 2020 liegen wird.

Die Zahlen für das erste Quartal werden wir wie geplant am 12. Mai vorlegen. Ich kann Ihnen daher heute noch keine Details zur Verfügung stellen. Es zeichnet sich aber ab, dass wir erfolgreich ins Jahr gestartet sind. Gerade im Agrargeschäft sehen wir ein Marktumfeld, das uns zunehmend positiv stimmt.

Liebe Aktionärinnen und Aktionäre,
wenn wir nach vorne schauen, dann gibt es auch im Bereich der Pandemiebekämpfung allen Grund zu Optimismus. Die Menschen verstehen nun besser als je zuvor, dass wissenschaftlicher Fortschritt und Innovationen der Schlüssel zu einem besseren Leben sind.

In der Rekordzeit von wenigen Wochen wurde das Genom des neuartigen Virus entschlüsselt. In der Rekordzeit von weniger als einem Jahr wurden mehrere Impfstoffe entwickelt und zugelassen. Die meisten von ihnen basieren auf der bahnbrechenden mRNA-Technologie.

Nicht weit von hier – an unserem Standort in Wuppertal – arbeiten unsere Kolleginnen und Kollegen gerade mit großem Engagement daran, eine Produktion für den mRNA-Impfstoff von CureVac aufzubauen. Ende dieses Jahres wollen wir erste Mengen des CureVac-Impfstoffs aus unserer eigenen Produktion zur Verfügung stellen. Im kommenden Jahr wollen wir 160 Millionen Dosen des Impfstoffs produzieren. Wir unterstützen CureVac darüber hinaus tatkräftig bei der Entwicklung und Bereitstellung des Impfstoffkandidaten, der hoffentlich in wenigen Wochen in der EU zugelassen wird.

Ich hoffe, dass sich möglichst viele Menschen gegen COVID-19 impfen lassen. Einige von Ihnen hatten sicher bereits die Gelegenheit dazu. Auch ich werde mich sofort impfen lassen, wenn ich an der Reihe bin. Nur das konsequente Impfen wird diese Pandemie beenden. Und genauso wichtig: Nur Impfen wird uns vor teils schweren und bleibenden Gesundheitsschädigungen schützen, dem sogenannten Long-Covid-Syndrom.

Wir sind alle sehr stolz, dass unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dazu einen entscheidenden Beitrag leisten können. Die Partnerschaft mit CureVac ist nur ein Beispiel für unser Engagement. Dafür stehen wir mit unserer Unternehmensvision „Health for all, hunger for none“.

Der Impfstoff gegen COVID-19 ist ein perfektes Beispiel dafür, wie wir mit neuen Technologien und globaler Zusammenarbeit bei den großen Fragen unserer Zeit vorankommen. Aber natürlich gibt es noch andere drängende Fragen, die nach wissenschaftlichen Lösungen verlangen: Wie sichern wir in Zeiten des Klimawandels die Nahrungsversorgung von immer mehr Menschen? Wie sichern wir die Gesundheitsversorgung von immer mehr älteren Menschen?

In der Beantwortung dieser Fragen liegt die attraktive langfristige Wachstumsperspektive von Bayer. Daran arbeiten wir mit einem unermüdlichen Fokus auf Innovationen. Wir haben 2020 fast fünf Milliarden Euro in Forschung und Entwicklung investiert.

Dazu kommt das Engagement unserer „Leaps“-Einheit. Hier investieren wir gezielt in bahnbrechende Zukunftstechnologien.

In der Landwirtschaft gibt es weltweit kein Unternehmen, das mehr in Forschung und Entwicklung investiert als Bayer. Es ist fast doppelt so viel wie unser wichtigster Wettbewerber. Warum ist das so wichtig? Weil wir eine nachhaltigere Landwirtschaft brauchen, die mit den zunehmenden Wetterextremen besser umgehen kann, die von den immensen Möglichkeiten der Datenanalyse profitiert und die selbst weniger Ressourcen benötigt, aber dennoch den wachsenden Bedarf an Nahrungsmitteln deckt. An allen diesen Themen arbeiten unsere Forscherinnen und Forscher.

Wir haben allein im vergangenen Jahr im Pflanzenschutz zehn neue Formulierungen und drei wichtige Biotechnologieprodukte zur Marktreife gebracht. Unsere führende digitale Agrarplattform Climate FieldView™ kommt mittlerweile auf mehr als 60 Millionen Hektar weltweit zum Einsatz. Beim Saatgut haben wir Landwirten auf der ganzen Welt mehr als 430 neue Sorten für Mais, Soja, Baumwolle und Gemüse angeboten.

Ein anschauliches Beispiel ist unsere neue, niedrig wachsende Maissorte, die wir als Pilotprojekt in Mexiko eingeführt haben. Sie können das hier auf dem Bild sehen. Mit dem kleinen Wuchs ist der Mais weniger anfällig für Wetterextreme. Außerdem braucht man weniger Fläche, Wasser, Stickstoff und Pflanzenschutz, aber man bekommt den gleichen Ertrag. Diese Technologie hat das Potenzial, die Maisproduktion in den kommenden Jahren zu revolutionieren und damit Landwirte weltweit bei einer der wichtigsten Nutzpflanzen wirksam zu unterstützen.

In unserem Pharmageschäft haben wir das vergangene Jahr genutzt, um die Weichen für künftiges Wachstum zu stellen. Wir haben unsere Forschung und Entwicklung vorangetrieben und an den neuen Blockbuster-Kandidaten gearbeitet. Und wir haben die Rekordzahl von 25 Kooperationen und Akquisitionen abgeschlossen.

Dazu zählt zum Beispiel die Übernahme des amerikanischen Biotech-Unternehmens AskBio, mit dem wir uns in dem sehr vielversprechenden Feld der Zell- und Gentherapien enorm verstärkt haben. Unsere Forscherinnen und Forscher arbeiten dort an bahnbrechenden Innovationen, um Krankheiten zu behandeln oder sogar zu heilen. Das betrifft zum Beispiel die Nervenkrankheit Parkinson. Weltweit leiden heute etwa zehn Millionen Menschen an dieser Krankheit, Tendenz steigend.

Wir verfolgen aktuell in zwei unterschiedlichen klinischen Studien vollkommen neue Behandlungsansätze gegen Parkinson – einer bisher unheilbaren Krankheit. Dabei stehen wir kurz vor einem bedeutenden Meilenstein: In den kommenden Wochen werden Ärztinnen und Ärzte in den USA und anschließend in Kanada unsere Stammzellen-Therapie zum ersten Mal im Menschen testen.

Einer dieser Ansätze wurde von BlueRock entwickelt. Wir haben das Unternehmen 2016 als eines der ersten Leaps-Investments mit Partnern gegründet und 2019 ganz übernommen. Inzwischen ist BlueRock ein Teil unserer Plattform für Zell- und Gentherapien.

Auch bei Consumer Health haben wir im vergangenen Jahr erheblich in neue Technologien investiert. So haben wir eine Mehrheitsbeteiligung an dem amerikanischen Unternehmen Care/of erworben. Das ist ein führender Anbieter und ein digitaler Vorreiter für personalisierte Ernährung. Damit stärken wir unsere Position im Markt für Nahrungsergänzungsmittel, der 2020 so stark gewachsen ist.

Mit unserer Leaps-Einheit haben wir uns zudem an Ukko beteiligt. Ukko entwickelt mit Hilfe von künstlicher Intelligenz Therapien gegen Lebensmittelallergien. Dafür gibt es einen großen Bedarf. Weltweit leiden daran etwa zwei bis vier Prozent der Bevölkerung. Die Innovationen von Ukko könnten für uns sowohl im Gesundheits- als auch im Agrarbereich relevant werden.

Meine Damen und Herren,
wir schauen mit viel Zuversicht auf die Zukunft von Bayer auch über die nächsten Jahre hinaus. Der wissenschaftliche Fortschritt in Biologie und Künstlicher Intelligenz ist enorm und bietet große Chancen.

Wenn man auf die Geschichte unseres Unternehmens blickt, dann gab es eine Zeit der grundlegenden technologischen Umbrüche. Das war Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Damals hatten unsere Vorgänger den Weitblick und das wissenschaftliche Verständnis, um zu erkennen, dass Farbstoffe, die Bayer damals entwickelte, nur der Anfang waren. Und dass sich mit denselben chemischen Grundstoffen noch ganz andere Entdeckungen machen ließen, die für frühere Generationen unvorstellbar schienen.

Damals begann die organische Chemie unser Leben zu revolutionieren, indem neue Materialien, Medizin und Düngemittel Einzug hielten. Etwa die Hälfte der Chemienobel- preise in dieser Zeit ging an deutsche Wissenschaftler. Zum Beispiel für das bahnbrechende Haber-Bosch-Verfahren zur Entwicklung von künstlichem Dünger.

Heute stehen wir am Beginn einer ähnlichen Epoche. Auch heute gibt es große drängende Fragen, die nach wissenschaftlichen Lösungen verlangen. Und auch heute sehen wir grundlegende technologische Umbrüche. Sie vollziehen sich in der Welt der Gene und Proteine. Acht der letzten zehn Chemienobelpreise gingen in diese Richtung.

Es ist eine Welt, in der die Grenzen zwischen Biologie auf der einen Seite und Datenanalyse sowie künstlicher Intelligenz auf der anderen Seite immer mehr verschmelzen. Experten sprechen von der Bio-Revolution. Was hier in den Forschungslaboren weltweit im Gange ist, hat das Potenzial, unser Verständnis von Gesundheit und Ernährung grundlegend zu verändern. Dass man viele Krankheiten nicht mehr nur behandeln, sondern wirklich heilen kann. Dass man Pflanzen so verändern kann, dass sie sich selbst düngen. Dass eine nachhaltige und gleichzeitig ressourcenschonende Landwirtschaft möglich ist.

Bayer ist wie kaum ein anderes Unternehmen aufgestellt, um dieses langfristige Innovationspotenzial zu realisieren. Allein 32 unserer aktuell 37 Leaps-Investments in neue Technologien drehen sich um die Bio-Revolution.

Wie tiefgreifend dieser Wandel ist, lässt sich vielleicht am besten mit den Worten eines Visionärs beschreiben. Der ehemalige Apple-Chef Steve Jobs wurde vor zehn Jahren nach den größten bevorstehenden Veränderungen gefragt. Seine Antwort lautete, und ich zitiere: „Die größten Innovationen des 21. Jahrhunderts werden an der Schnittstelle von Biologie und Technologie stattfinden. Es beginnt eine neue Ära.“

Bayer ist mitten in der Transformation für diese neue Ära. Unsere besondere Chance liegt darin, dass grundlegende Technologien wie die Genom-Editierung oder die Mikrobiom- Forschung Innovationen in allen Geschäftsfeldern hervorbringen werden. Wir werden mit voller Kraft die Weiterentwicklung von Bayer vorantreiben und dabei unsere Ziele fest im Blick haben.

Das dritte Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts ist ein Zeitraum, in dem die Weltgemeinschaft liefern muss. Das gilt für eine möglichst gemeinsame Bekämpfung der Pandemie und für die wirtschaftliche Erholung danach. Das gilt für den Klimawandel und die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen. Und es gilt auch für einen kulturellen Wandel, mehr Teilhabe und Gleichberechtigung.

Bayer hat in diesem Jahr umfangreiche Ziele für die Inklusion und Vielfalt im Unternehmen beschlossen, darunter Geschlechterparität auf allen Management-Ebenen bis spätestens 2030.

Vor rund einem Jahr haben wir – wie Sie wissen – ambitionierte Nachhaltigkeitsziele beschlossen: Wir wollen bis 2030 ein klimaneutrales Unternehmen werden. Und wir wollen mit sozialen Nachhaltigkeitszielen vor allem in Ländern mit kleinen und mittleren Einkommen mehr Menschen ein besseres Leben ermöglichen.

Wir haben unsere langfristige Vergütung an die Erreichung der Nachhaltigkeitsziele gekoppelt. Und wir treiben die Implementierung mit Nachdruck voran.

Um es klar zu sagen: Wir handeln hier im ureigensten Interesse von Bayer. Denn nur wer entschlossen die Transformation zu nachhaltigen Geschäftsmodellen und einer inklusiven Kultur vorantreibt, ist in der Lage, die besten Teams für eine sich schnell verändernde Welt aufzustellen.

Wie sehr wir uns für Nachhaltigkeit engagieren, zeigt auch ein ganz aktuelles Ereignis. Vor wenigen Tagen hat sich die sogenannte LEAF-Initiative gegründet. Das ist ein Zusammenschluss von Regierungen und Unternehmen, angeführt von dem amerikanischen Klimaschutzbeauftragten John Kerry. Das gemeinsame Ziel ist es, Länder im globalen Süden dabei zu unterstützen, Regenwälder zu schützen und den Klimawandel zu bekämpfen. Als eins von nur neun Unternehmen überhaupt – und als einziges deutsches Unternehmen – ist Bayer direkt von Anfang an Teil dieser Initiative.

Meine Damen und Herren,
das waren die Punkte, die ich Ihnen heute berichten wollte. Ich habe Ihnen den Weg beschrieben, auf dem sich unser Unternehmen befindet – die aktuelle Wegstrecke genauso wie unseren Fahrplan für die nächsten Meilensteine. Wir sind fest davon überzeugt, dass es der richtige Weg für Bayer und unsere Eigentümer ist. Denn eins hat uns die Pandemie gelehrt: Es gibt nichts Wichtigeres als die Gesundheit und die Ernährung der Menschen. Und dazu können wir einen entscheidenden Beitrag leisten.

Die Relevanz unserer Geschäfte geht mit einer großen Verantwortung einher – für die Sicherheit unserer Produkte, für den nachhaltigen Einsatz von Ressourcen, für die Forschung an neuen Technologien, für den offenen Dialog mit anderen und für den wirtschaftlichen Erfolg unseres Unternehmens. Wir bei Bayer wollen dieser Verantwortung gerecht werden. Wir haben klare Ziele und genauso klar sind unsere Werte. Wir haben eine starke Belegschaft. Und wir haben eine inspirierende Vision, hinter der sich unser „Team Bayer“ versammelt: „Health for all, hunger for none“.

Mit all unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auf der ganzen Welt werden wir weiterhin hart für den Erfolg unseres – und Ihres – Unternehmens arbeiten. Und: Wir werden liefern. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

Zukunftsgerichtete Aussagen
Diese Presse-Information kann bestimmte in die Zukunft gerichtete Aussagen enthalten, die auf den gegenwärtigen Annahmen und Prognosen der Unternehmensleitung von Bayer beruhen. Verschiedene bekannte wie auch unbekannte Risiken, Ungewissheiten und andere Faktoren können dazu führen, dass die tatsächlichen Ergebnisse, die Finanzlage, die Entwicklung oder die Performance der Gesellschaft wesentlich von den hier gegebenen Einschätzungen abweichen. Diese Faktoren schließen diejenigen ein, die Bayer in veröffentlichten Berichten beschrieben hat. Diese Berichte stehen auf der Bayer-Webseite www.bayer.de zur Verfügung. Die Gesellschaft übernimmt keinerlei Verpflichtung, solche zukunftsgerichteten Aussagen fortzuschreiben und an zukünftige Ereignisse oder Entwicklungen anzupassen.

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