Dienstag - 15. September 2020

Präzisionsonkologie und molekulare Testung sind wichtig für individualisierte Krebstherapie

Experten unterstreichen Nutzen präzisionsonkologischer Therapien für bessere Behandlungsergebnisse bei Patienten, deren Tumoren Therapie-relevante molekulargenetische Veränderungen aufweisen / Bedeutung der molekularen Testung für individualisierte Krebstherapie steigt / Molekulare Testung noch nicht Bestandteil der Routineuntersuchung

Leverkusen, 15. September 2020 – Der Nachweis molekulargenetischer Veränderungen, die das Wachstum und die Ausbreitung eines Tumors antreiben und die darauf basierende präzisionsonkologische Behandlung von Krebspatienten haben das Potenzial, den Krankheitsverlauf grundlegend zu verändern. Sie sind außerdem ein entscheidender Schritt zu einer veränderten Herangehensweise in der Krebstherapie. Zu diesem Schluss kamen renommierte Experten im Rahmen einer virtuellen Veranstaltung von Bayer im Vorfeld des European Society of Medical Oncology (ESMO) Virtual Congress 2020, in der Kliniker und Patientenvertreter über das wachsende Potenzial präzisionsonkologischer Therapien für bessere Behandlungsergebnisse bei Patienten mit Therapie-relevanten molekulargenetischen Veränderungen diskutierten. Während eine bestimmte spezifische molekulargenetische Veränderung selten sein mag, erlauben heutige Testverfahren das zeitgleiche Screening zahlreicher Veränderungen und tragen so zur Individualisierung und Optimierung der Krebstherapie bei.

In der Expertendiskussion betonte Professor Antoine Italiano, Leiter der frühen klinischen Entwicklung sowie der Sarkomabteilungen am Institut Bergonié, Frankreich, welchen Paradigmenwechsel die Präzisionsonkologie in der Krebstherapie darstellt: „Die Fortschritte auf dem Gebiet der Genomforschung und die daraus hervorgegangenen Zulassungen für tumorartunabhängige Therapien, die zielgerichtet beim molekulargenetischen Treiber eines konkreten Tumors ansetzen, verändern die Krebstherapie grundlegend. Wir bewegen uns von der Einheitsbehandlung, die sich nur nach der Lokalisation der Krebserkrankung im Körper richtet, hin zu einer personalisierten, präzisen Herangehensweise. Jetzt gilt es, die weiter gefasste onkologische Gemeinschaft weiterhin darüber zu informieren, welches Potenzial diese Therapien besitzen, Patienten mit seltenen Tumorarten einen signifikanten Nutzen zu ermöglichen und den Zugang zu diesen Therapien für infrage kommende erwachsene und pädiatrische Patienten zu erweitern.“

Molekulare Testung gehört nicht immer zur Routineuntersuchung

Ebenso wichtig ist es, routinemäßigen Zugang zu hochwertiger molekulargenetischer Tumortestung zu schaffen. Studien haben ergeben, dass bei 30–49 % aller Patienten mit fortgeschrittenen Krebserkrankungen (1),(2) und bei 31–39 % der Kinder mit soliden Tumoren (3),(4), die eine molekulare Testung durchführen ließen, Therapie-relevante molekulare Veränderungen vorlagen. In diesen Fällen gab es also für die betreffenden Patienten bereits eine zugelassene Therapie oder ein in der klinischen Prüfung befindliches Arzneimittel.

Jedoch ist bei einem Großteil der Tumorerkrankungen die molekulare Testung noch nicht Bestandteil der Routineuntersuchung. Privatdozent Dr. Philipp Ivanyi, Oberarzt und Bereichsleiter Internistische Onkologie an der Medizinischen Hochschule Hannover, verdeutlichte den Bedarf an molekularer Testung: „Patienten erhalten nicht immer die Therapie, von der sie am meisten profitieren könnten, weil ihr Tumor nicht auf molekulargenetische Veränderungen untersucht wird. So selten jede einzelne molekulargenetische Veränderung für sich genommen sein mag, so viele Biomarker lassen sich mit modernen Testverfahren gleichzeitig bestimmen, und viele davon sind potenziell geeignete Ziele für eine Präzisionstherapie. Ein umfassender Einsatz der molekularen Tumorgenomtestung trägt dazu bei, Patienten für eine zielgerichtete Therapie systematisch zu identifizieren und so sicherzustellen, dass kein Erwachsener und kein Kind zurückgelassen werden.“

Medizinische Fachgesellschaften empfehlen molekulare Testung

Die wachsende Bedeutung präzisionsonkologischer Therapien und der molekularen Diagnostik findet auch zunehmend Zuspruch in den Leitlinien und Empfehlungen der Fachgesellschaften. Die ESMO sprach 2019 Empfehlungen aus, die ein systematisches Vorgehen zur routinemäßigen klinischen Nachweis von NTRK *-Genfusionen fordern, einer bestimmten molekulargenetischen Veränderung, die bei vielen unterschiedlichen Tumorarten vorkommen kann. Damit soll erreicht werden, so viele Patienten wie möglich zu identifizieren, bei deren Krebserkrankung diese molekulargenetische Veränderung als Treiber fungiert. (5) Die Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (DGHO) hat ebenfalls 2019 ein Positionspapier herausgegeben, in dem sie den Einsatz molekulardiagnostischer Methoden empfiehlt, wenn das Ergebnis den Nutzen einer möglichen Therapie vorhersagen kann. (6)

Im August 2020 hat wiederum die ESMO neue Empfehlungen vorgelegt, denen zufolge das Next-Generation-Sequencing (NGS) – ein Testverfahren, mit dem sich eine große Anzahl an Genen in kurzer Zeit und zu relativ geringen Kosten sequenzieren lässt – bei fortgeschrittenem Adenokarzinom der Lunge, Prostata- und Eierstockkrebs sowie Cholangiokarzinom routinemäßig eingesetzt werden sollte. Darüber hinaus können bei anderen Tumorarten Patienten und Ärzte gemeinsam den individuellen Nutzen von NGS und umfassender molekulargenetischer Testung bewerten und darüber entscheiden. Außerdem wird empfohlen, dass klinische Forschungszentren, die NGS durchführen, Aufklärungsarbeit leisten und die Entwicklung der Präzisionsmedizin vorantreiben sollten. (7)

Die kritische Bedeutung der Patientenaufklärung betonte Dr. Amy C. Moore, Director Science and Research der Go2 Foundation für Lungenkrebs, San Carlos, Kalifornien, USA: „In der gesamten Community wird bedeutende Arbeit geleistet, um die Vorteile präzisionsonkologischer Therapien und Testung an Patienten und an Behandlung und Pflege beteiligtes Fachpersonal zu kommunizieren. Wenn wir sicherstellen wollen, dass alle Erwachsenen und Kinder, die dafür infrage kommen, auch wirklich von den verbesserten Behandlungsergebnissen der Präzisionstherapien profitieren, ist es essenziell, dass wir weiter alle Hindernisse und Hürden bekämpfen, die dem Zugang zu diesen Therapien im Weg stehen und Gelegenheiten zur Schulung und Aufklärung bestmöglich nutzen.“

Bayer setzt sich für Aufklärung über molekulare Testung ein

Bayer engagiert sich, um die Bedeutung der molekularen Testung in der Onkologie zu stärken und unterstützt den Dialog mit Ärzten, Fachgesellschaften und Patientenorganisationen, damit in Deutschland Tumorerkrankungen frühzeitig diagnostiziert und einer möglichst präziseren Tumortherapie zugeführt werden. Die von Bayer erschaffene Plattform www.testedeinentumor.de bietet patientenorientierte Informationen zur molekularen Tumortestung.

„Das übergeordnete Ziel von Bayer ist es, das Leben von Menschen mit Krebs zu verbessern, indem wir innovative Lösungsansätze für diese facettenreiche Erkrankung entwickeln. Wir freuen uns sehr über den Beitrag, den wir mit unseren Fortschritten in der Präzisionsonkologie zum Paradigmenwechsel in der Krebstherapie leisten können – diese Therapien bieten schon heute großen Nutzen für Erwachsene und Kinder, die mit Krebs leben, und bahnen den Weg für die Krebstherapie der Zukunft“, resümiert Emmanuelle di Tomaso, Head of Oncology Precision Medicine bei Bayer. „Die Stellungnahmen der Experten unterstreichen einmal mehr, wie wichtig es ist, dass Krebspatienten Zugang zu molekulargenetischen Technologien erhalten, um festzustellen, ob ihrer Krebserkrankung eine Therapie-relevante Veränderung zugrunde liegt, so dass sie gegebenenfalls von einer präzisionsonkologischen Therapie profitieren können, die ihren Krankheitsverlauf signifikant verändern könnte.“

Onkologie bei Bayer
Mit dem Ziel, das Leben von Menschen zu verbessern, arbeitet Bayer an der Erweiterung seines Portfolios für innovative Behandlungen. Mit Leidenschaft und Einsatz entwickeln wir innovative Medikamente, die dazu beitragen, das Leben von Menschen mit Krebserkrankungen zu verlängern und zu verbessern. Der Onkologie Bereich bei Bayer umfasst sechs zugelassene Präparate für ein breites Spektrum von Anwendungsgebieten sowie mehrere Wirkstoffe in verschiedenen Phasen der klinischen Entwicklung. Bayer konzentriert seine Forschungsaktivitäten auf First-in-Class-Innovationen über die folgenden wissenschaftlichen Plattformen: onkogene Signalwege, zielgerichtete Alpha-Therapien und Immunonkologie. Ein Schwerpunkt liegt bei Bayer auf innovativen präzisionsonkologischen Therapien – ein TRK-Inhibitor, der gezielt für die Behandlung von Tumoren mit NTRK-Genfusion als onkogenem Treiber von Tumorwachstum und Ausbreitung entwickelt wurde, ist bereits zugelassen; ein weiterer TRK-Inhibitor befindet sich gerade auf seinem Weg durch die Pipeline. Beim Forschungsansatz des Unternehmens steht die Suche nach geeigneten Zielmolekülen und -Signalwegen (Targets) für neue Wege der Krebsbehandlung in den Vordergrund.

Über Bayer
Bayer ist ein weltweit tätiges Unternehmen mit Kernkompetenzen auf den Life-Science-Gebieten Gesundheit und Ernährung. Mit seinen Produkten und Dienstleistungen will das Unternehmen den Menschen nützen, indem es zur Lösung grundlegender Herausforderungen einer stetig wachsenden und alternden Weltbevölkerung beiträgt. Gleichzeitig will der Konzern seine Ertragskraft steigern sowie Werte durch Innovation und Wachstum schaffen. Bayer bekennt sich zu den Prinzipien der Nachhaltigkeit und steht mit seiner Marke weltweit für Vertrauen, Zuverlässigkeit und Qualität. Im Geschäftsjahr 2019 erzielte der Konzern mit rund 104.000 Beschäftigten einen Umsatz von 43,5 Milliarden Euro. Die Investitionen beliefen sich auf 2,9 Milliarden Euro und die Ausgaben für Forschung und Entwicklung auf 5,3 Milliarden Euro. Weitere Informationen sind im Internet zu finden unter www.bayer.de

Die Bayer Vital GmbH vertreibt die Arzneimittel der Divisionen Consumer Health und Pharmaceuticals sowie die Tierarzneimittel der Geschäftseinheit Animal Health in Deutschland. Mehr Informationen zur Bayer Vital GmbH finden Sie unter: www.gesundheit.bayer.de

* NTRK=neurotrophe Tyrosin-Rezeptor-Kinase

(1) Boland GM, Piha-Paul SA, Subbiah V, et al. Clinical next generation sequencing to identify actionable aberrations in a phase I program. Oncotarget. 2015;6(24):20099-20110.
(2) Massard C, Michiels S, Ferte C, et al. High-throughput genomics and clinical outcome in hard-to-treat advanced cancers: results of the MOSCATO 01 trial. Cancer Discov. 2017;7(6):586-595.
(3) Harris MH, DuBois SG, Glade Bender JL, et al. Multicenter feasibility study of tumor molecular profiling to inform therapeutic decisions in advanced pediatric solid tumors: the individualized cancer therapy (iCat) study. JAMA Oncol. 2016;2(5):608-615.
(4) Parsons DW, Roy A, Yang Y, et al. Diagnostic yield of clinical tumor and germline whole-exome sequencing for children with solid tumors. JAMA Oncol. 2016;2(5):616-624.
(5) Marchio C, Scaltrit M, Ladanyi M, et al. ESMO recommendations on the standard methods to detect NTRK fusions in daily practice and clinical research. Annals of Oncology 30: 1417–1427, 2019.
(6) https://www.dgho.de/aktuelles/presse/pressemeldungen/qualitaetsgesicherte-molekulardiagnostik-in-der-onkologie-zielgerichtet-integriert
(7) Mosele F, Remon J, Mateo J, et al. Recommendations for the use of next-generation sequencing (NGS) for patients with metastatic cancers: A report from the ESMO Precision Medicine Working Group. Annals of Oncology (2020), doi: https://doi.org/10.1016/j.annonc.2020.07.014.

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